Jahrgang 
3 (1863)
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1 Amte beim Amt

Von Eduard Gottwald. 339

und betrat den ihm wohlbekannten Fußweg, der nach dem Forſthauſe führte. Schon an der Umzäunung des umfangreichen Gartens, welcher das mitten in einer prachtvollen Buchenwaldung liegende Forſthaus um⸗ gab, erblickte er Ulriken, die das laue ſchöne Dezemberwetter benützt hatte, und mit zwei Mägden beſchäftigt war, Wäſche zu trocknen. Trotz ſeiner Sehnſucht konnte er ſich die Wonne nicht verſagen, von einer Baumgruppe verdeckt die Geliebte zu belauſchen, die ihm nach ſo langer Trennung nur noch reizender und lieblicher erſchien.

Ulrike war eine ſchöne ſchlanke Jungfrau von neunzehn Jahren und kräftig ausgebildet; in der friſchen freien Waldluft aufgewachſen, zeugte ihr Antlitz von blühender Geſundheit und ein Zug ſtiller Schwermuth gab dem lieblichen Geſichtchen einen erhöhten Reiz. Wohl mochte auch Ulrike, welche jetzt den Mägden die Arbeiten überlaſſen hatte und in ſtilles Träumen verſunken zu ſein ſchien, an ihren Hermann denken, der ihr unbewußt ſo nahe war. Jetzt aber hatte denſelben ein kleiner Wachtelhund entdeckt und blieb mit ununterbrochenem Gekläff vor deſſen Verſteck ſtehen, aus welchem Hermann jetzt raſch heraustrat.

Hermann! rief Ulrike freudig erſchrocken und eilte auf den jungen Mann zu, der ohne auf die Gegenwart der Mägde zu achten, ſie ſtürmiſch in ſeine Arme ſchloß. Und indem ſie ſich ſeinen heißen Küſſen erröthend entwand, fragte ſie lächelnd und ſtaunend:Aber wo kommſt du jetzt her? Von daheim, mein ſüßes Mädchen, rief zärtlich Hermann, von neuem die Geliebte umſchlungen haltend.Es ließ mir nicht länger Ruhe, ich mußte wiſſen, wie du und die Deinen ſich hier befinden, und ob ihr auch ſo wilde böſe Wirthſchaft habt erdulden müſſen, wie wir. Gott ſei Dank, wir befinden uns alle wohl und haben noch keinen Feind zu ſehen bekommen, verſetzte Ulrike und ſtrich liebkoſend mit der Hand über die Stirn des in ihren Anblick jetzt wonnig verſunkenen lungen Mannes.In Trausdorf, fuhr ſie erzählend fort,da haben Dragoner arg gehauſ't, aber bis hierher ſcheint ſich keiner zu wagen. Und iſt der Vater daheim? forſchte Hermann.Nein, er iſt im Walde, wird aber bald kommen, entgegnete etwas verlegen Ulrike. Und der ſoll mich wohl nicht finden? fragte neckend der Geliebte.

Oh doch, du kamſt ja aus liebevoller Beſorgniß für uns alle, ſprach zärtlich Ulrike, duldete jetzt die wiederholten Küſſe Hermanns und fügte nach einer kurzen Pauſe hinzu:auch möchte ich nicht, nachdem unſere

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