338 Aus dem Bergiſchen.
aus mehreren Wunden blutete und auf den nun die über den Tod ihrer Kameraden erbitterten Franzoſen, auf ihres Befehlshabers Abmahnen nicht mehr hörend, wüthend einhieben. Stücker von einem Hieb am Kopfe verwundet, wankte und ſank vom Pferde. Da warf ſich der edle Oberſt auf den in ſeinem Blute Liegenden und ließ ihn von zwei zuverläſſigen Elſäſſer Dragonern nach Bensberg bringen, wo den ſchwer verwundeten die treue Schutzwache vor der Wuth der Carmagnolen ſchützen mußte, die den Tod des ihnen längſt verhaßten Bauerngenerals verlangten.
Stücker lag an zwei lebensgefährlichen Kopfwunden hart darnieder, doch ſeine friſche Jugendkraft, die treue Pflege der Mutter, welche ſofort bei der Nachricht von des geliebten Sohnes Verwundung aus dem Schloſſe herbeieilte, und die Kunſt ſeines Bruders, des Arztes, retteten ihn, und da zwei Tage darauf die Franzoſen den anrückenden Oeſterreichern weichen mußten, ſo zog auch die treue Wache des Verwundeten ab, der langſam der Geneſung entgegen ging und für jetzt wieder gerettet war. Die Segenswünſche der Eltern Ferdinands folgten dem edlen Oberſten nach.
Wochen vergingen nun, ohne daß die Bewohner der bergiſchen Lande von den feindlichen Truppen von neuem zu leiden hatten. Die Oeſterreicher hielten die Pfalz jetzt beſetzt, und auf dem Bensberger Schloſſe hatte es ſich der Rittmeiſter du Colombier von der franzöſiſchen Legion Bourbon, die mit Dumouriez zu den Oeſterreichern übergetreten war, beim Amts⸗ ſchultheiß Daniels bequem gemacht, während das von ihm befehligte achtzig Mann ſtarke Detachement Huſaren Baracken in dem von Riche⸗ panſe angelegten Lager hinter dem Schloſſe bezogen hatte. Der Wacht⸗ dienſt wurde ſo ſorglos wie möglich verrichtet, da der Kommandant ſelbſt den ganzen Tag in der Schloßſchenke ſich mit Wein und Spiel die Zeit vertrieb und nur während des Tages Patrouillen und Vorpoſten für nöthig fand, da ſeiner Erklärung nach die Franzoſen bei Nacht nichts wagten, und ebenſo auch nicht litt, daß die Pferde außer dem Dienſt ge⸗ ſattelt blieben.
In dieſer Zeit der Ruhe drängte es den Beſitzer des Mühlheimer Stadtgutes gewaltig, zu wiſſen, wie es im Forſthauſe zu Trausdorf ſtehe, und ſeine geliebte Ulrike, deren Anblick ihm über drei Monate verſagt geblieben, wiederzuſehen. Daher ritt Hermann trotz der vom alten Ober⸗ förſter erhaltenen Abweiſung eines Morgens von einem treuen Knechte begleitet nach Trausdorf, ließ Knecht und Pferde im Gaſthof des Dorfes
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