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Vendeektie
Von Eduard Gottwald. 337
Die Nachrichten, welche Oberſt Richepanſe über die Thätigkeit der Verbündeten und deren Pläne erhalten, waren nicht ungegründet, und ſchon am Abend des 17. November brannten die Lärmfeuer auf den Höhen diesſeits und jenſeits der oberen Acher, und durch die Stille der Nacht ertönten bis in die entfernteſten Ortſchaften die Sturmglocken, während von allen Seiten bewaffnete Schaaren aus ihren Schlupfwinkeln hervorbrachen und ſich bei Much verſammelten. Hier hielt ein be⸗ güterter Advokat der Düſſeldorfer Hofkammer hoch vom Roß herab eine begeiſternde Anrede an das Fußvolk, über welchem die Muchner Kirchen⸗ fahne mit dem Bilde des heiligen Martin ſchwebte, denn die Reiterei wurde unter Stückers und Hanck's Anführung noch erwartet. Und ſchon ertönte Hufſchlag aus der Ferne und freudig wollte man der erwarteten Freiſchaar, bei welcher auch eine Abtheilung Barko⸗Huſaren zur Ver⸗ ſtärkung ſich befinden ſollte, entgegen eilen, als man mit Entſetzen in den um die Waldecke ſchwenkenden Reitern franzöſiſche Schwadronen erkannte. Da wendete ſich der Sprecher eiligſt zur Flucht und ſeinem Beiſpiele folgen auf ihren bekannten Waldwegen; nur der Träger der Martinsfahne fiel in die Hände der Feinde und ſollte gehenkt werden, entkam aber während
nd liefen die Schaaren auseinander und entrannen den Verfolgern
der Vorrichtungen zur Erbauung des Galgens, von keiner der nachge⸗ ſendeten Kugeln getroffen.
Nicht ſo glücklich war die indeß im Anmarſch befindliche Reiterei, welche aus einer Abtheilung Barko⸗Huſaren unter Rittmeiſter Geyſar und fünfzig Berittenen unter Stückers Anſührung beſtand, und die von Ruppichteroth anrückten, aber ſchon am Fuße des Hansberges durch fliehende Landleute von dem ſo ſchmählich geſcheiterten Unternehmen Nach⸗ richt erhielten und nun durch einen Hohlweg den Rückzug antraten. Che ſie deſſen Ausweg erreicht, ſahen ſie ſich von einer ſtarken Reiterſchaar und von 200 Mann Grenadieren umzzingelt, gegen welche die kleine Schaar todeskühn ein Durchbrechen wagte, und glücklich hieben ſich der Rittmeiſter nebſt deſſen Lieutenant und neun Huſaren ſowie mehrere der Stückerſchen Schaar durch, die übrigen aber wurden getödtet oder gefangen. Stücker vertheidigte ſich wie ein Raſender, und ſchon waren drei Chaſſeurs im Kampfe mit ihm geſunken, als Richepanſe heranſprengte und ihm zu⸗ rief, ſich zu ergeben.
„Ich will als Krieger ſterben!“ ſchrie Stücker, welcher ſchon
Hausblätter. 1863. III. Bd. 22


