Jahrgang 
3 (1863)
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Von Eduard Gottwald. 335

ſelben, welchen der Oberſt zu ſich beſchieden, trat jetzt angemeldet in's Zimmer und nahm nach einer ſtummen Verbeugung nach einer freund⸗ lichen Einladung des feindlichen Heerführers ernſten Blickes auf einem Sopha neben demſelben Platz.

Herr Oberamtsgerichtsadvokat, begann Richepanſe ernſt aber ver⸗ traulich,Sie finden mich in ſehr trüber Stimmung und in nicht geringer Aufregung, an welcher leider Ihr Herr Sohn, der Advokat und Bauern⸗ general, wie man ihn bereits im franzöſiſchen Hauptquartier nennt, nicht geringe Schuld trägt.Mein Ferdinand? entgegnete beunruhigt der Vater.Er war ja lange Zeit Gefangener und iſt erſt ſeit wenig Tagen wieder frei, führte der Oberamtsgerichtsadvokat zu des Sohnes Ent⸗ ſchuldigung an.O das hindert dieſen tollen Schwärmer nicht, ſich an die Spitze einer Verſchwörung zu ſtellen, die ihm das Leben koſten kann, fuhr Richepanſe fort,und die Rädelsführer haben wohlweislich gewartet, bis die leichte öſterreichiſche Reiterei der Avantgarde Clairfaits wieder in der Nähe war, mit welcher wir uns nun ſchon ſeit ſechs Wochen erfolglos hier herumſchlagen. So weit ich den Angaben zuverläſſiger Kundſchafter vertrauen darf, haben wir vielleicht ſchon morgen den Ausbruch dieſer Verſchwörung zu erwarten, und da ich Ihren Sohn, den ich vom erſten Augenblick an auf eine mir ſelbſt unerklärliche Weiſe liebgewonnen, gern ſchonen möchte, ſo weit Ehre und Pflicht mir dies geſtatten, ſo bitte ich Sie, als Vater all Ihren Einfluß aufzubieten, um Ferdinand von einem Gewaltſtreiche abzuhalten, ſo lang ich hier noch kommandire. Glaubt Ihr Sohn, ſprach der Oberſt tief bewegt weiter,auf dem Wege, den er gewählt, ſein Vaterland zu befreien, ich zweifle daran aber er mag ſeinem inneren Drange folgen. Nur ich möchte nicht zu Gericht ſitzen über ihn, nur ich möchte nicht ihn der Wuth meiner Soldaten Preis gegeben ſehen. Gewiß wird es Ihnen möglich ſein, zu erfahren, wo er weilt; ſenden Sie Boten nach ihm zu einer dringenden Beſprechung; iſt er erſt hier, dann will ich ihn ſchon hindern, morgen und übermorgen ſein Haus zu verlaſſen, denn die verblendete Menge geht einem Blutbade entgegen und ſtatt eines Sieges der ſchmachvollſten Niederlage.

Wie ſoll ich erfahren, wo mein Sohn weilt! rief mit angſtge⸗ preßtem Herzen der Vater und ſtand vom Sopha auf, welches der Oberſt ebenfalls verließ.Mein Wille iſt es nicht, daß er dieſe gefahrvolle Bahn verfolgt, und mein Wort zu ſchwach, um ihn von ſeinen Beſtre⸗