332 Aus dem Bergiſchen.
die uns ſchon ſuchen helfen ſollen, wo noch zu finden, was wir ver⸗ langen.“ Und höhniſch auflachend verließ er mit dem Dragonerofftzier und den Wachen das Zimmer.
Der Amtsſchultheiß aber rief im wildaufbrauſenden Zorn:„Nichts ſollen dieſe Buben bekommen, nicht einen Centner!“ Darauf wendete er ſich zu den Bauern und ſprach:„Ihr habt gehört, was wir alle von dieſen Freiheitshelden zu erwarten haben; wollt ihr genau befolgen, was ich euch jetzt befehlen werde, ſo ſchafft ihr euch für diesmal dies Geſindel vom Halſe.“—„Wir wagen alles daran,“ entgegneten die ſchon längſt gegen ihre Peiniger mit Haß erfüllten Bauern.
„Nun denn ſo hört,“ fuhr der Amtsſchultheiß fort;„die kaiſerliche Armee iſt im Anzuge, darum drängen dieſe Kommando's ſo haſtig auf Verladung der Vorräthe. Sucht ihr aber jetzt beim Aufladen des Ge⸗ treides ſo viel als möglich durch Ungeſchick und Streit zu zaudern, ſo hoffe ich, zu retten, was hier liegt, und die Franzoſen vertrieben zu ſehen. Denn eine ſtarke Abtheilung unſeres Landſturms ſteht wohlbewaffnet be⸗ reit, auf das erſte Zeichen herbeizueilen, und wie ich genau weiß, verläßt morgen auch das unter Lefebvre ſtehende Truppencorps unſere Gegend, denen dieſe Kommando's mit dem Proviant folgen ſollen. Alſo gezaudert, ſo viel als möglich!“—„Das ſoll nicht ſchwer halten!“ riefen ein⸗ ſtimmig die Bauern und begaben ſich nach den nahe bei dem Schloſſe be⸗ findlichen Magazinen, vor denen Wagen an Wagen ſtand, um den Transport zu bewirken. Huſaren und Dragoner hielten mit gezogenen Säbeln dabei, aber ſo heftig auch die Wachen drängten, man kam nicht zum Fortſchaffen, denn was die einen aufluden, warfen die andern herunter, neue Säcke bekamen plötzlich Löcher, aus welchen das Getreide herauslief, die Wagen fuhren einander in die Räder, daß die Deichſeln brachen, Pferde, denen man Zunder in die Ohren gelegt, ſtürzten raſend mit den Karren davon. und endlich entſtand unter ſämmtlichen Fuhrleuten eine allgemeine Rauferei.
Vergebens fluchte und wüthete der Rittmeiſter; die Dragoner und Huſaren, welche den Tag zuvor rückſichtslos drauf losgeſchlagen haben würden, ſahen dem tollen Gewirr verlegen zu, denn immer drohender wurde die Haltung der neugierig herzuſtrömenden Volksmenge, und überall ragten aus den dichten Haufen derſelben Senſen, Heugabeln und Dreſch⸗ flegel hervor.„Haut die Hunde nieder, wenn ſie noch länger zögern,“ ſchrie der Rittmeiſter und ſprengte rückſichtslos in einen dichten Trupp
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