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Von Eduard Gottwald. 331
und nur auf ein Zeichen der Anführer wartete, um ſich auf ihre Peiniger zu ſtürzen, ſo mußten ſie doch ſich ruhig verhalten, ſo lange Lefebvre noch in Mühlheim lag, und die Brutalität und Raubgier der Dragoner⸗ und Huſarenabtheilung ungeſtraft über ſich ergehen laſſen, welche beordert wurden, die Lieferungen der Naturalien für die Armee einzutreiben, die man ſo hoch ausgeſchrieben hatte, daß nicht die Hälfte davon zu ſchaffen möglich war.
So war der September vergangen, und immer rückſichtsloſer wurde die Herbeiſchaffung der noch zu liefernden Lebensmittel betrieben, von welchen wieder aus den umliegenden Dörfern das letzte, was noch zu finden geweſen, durch die von Dragonern eskortirten Landleute in das Magazin zu Bensberg abgeliefert worden war, und finſteren Blickes ſaß an einem trüben Oktobertage der Amtsſchultheiß Daniels mit dem Ge⸗ richtsſchreiber und Ortsvorſteher in dem großen Seſſionszimmer des Schloſſes, in deſſen Flügel ſich die amtlichen Bureaus befanden. Ihnen gegenüber hatte ein Huſarenrittmeiſter nebſt einem Dragonerlieutenant Platz genommen, während die Bauern aus den umliegenden Dörfern, welche Getreide, Fleiſch und Wein hatten herbeifahren müſſen, einen Halb⸗ kreis um die an der Tafel ſitzenden bildeten und Wachen die Thüren des Zimmers beſetzt hielten.
„Meine Herren,“ begann jetzt der Amtsſchultheiß mit ernſter und feſter Stimme, indem er ſich an die Offiziere wendete und auf die ver⸗ ſammelten Bauern wies,„Sie haben gehört, daß unſere arme Landſchaft nichts mehr auftreiben kann. Ich bitte daher, verſchonen Sie uns mit noch ärgerer Quälerei als bisher; wir können nicht mehr liefern, wenn wir nicht ſelbſt Hunger leiden ſollen.“—„Die Ordre lautet für hieſige Gegend auf 1000 Centner Waizen, 2000 Centner Hafer, 400 Centner Gerſte und ſo fort, von allem dem iſt noch nicht die Hälſte da,“ entgeg⸗ nete barſch der Rittmeiſter und ſchlug mit der geballten Fauſt auf ein vor ihm liegendes Schreiben.„Darum hilft kein Zögern, ihr müßt es ſchaffen, und ſofort ſoll verladen werden, was bis jetzt hier eingebracht. Das Fehlende wird ſchon zum Vorſchein kommen, wenn wir euch den rothen Hahn auf's Dach ſetzen. Oder,“ fügte er höhnend hinzu:„wollt ihr uns läugnen, daß noch Vorräthe genug vorhanden, die ihr für die Oeſterreicher aufbewahrt, von denen ihr, thöricht genug, mehr Schonung hofft, als von uns? Dann müßtet ihr keine Verräther unter euch haben,


