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Von Eduard Gottwald. 329
welchem früher ſchon ſich die Hofburg der Grafen von Berg erhoben und bereits in der Römerzeit Kaiſer Valentian ein Caſtell errichtet hatte. Jetzt iſt dasſelbe mit ſeinen 256 Zimmern zu einer Cadettenanſtalt umgewandelt worden, im Jahre 1795 aber diente es dem Amtsſchultheißen nebſt meh⸗ reren Beamten und einer kleinen pfälziſchen Invalidenabtheilung zur Wohnung und war oft das Hauptquartier derjenigen Befehlshaber, deren Truppen bei Ausbruch der Feindſeligkeiten in und um Bensberg lagerten.
Jubelnd hatten die Bewohner Bensbergs und der nahe gelegenen Ortſchaften die Huſaren des öſterreichiſchen Regiments Barko empfangen, von welchen eine ſtarke Abtheilung am 5. September in Bensberg und Weyerhoff Quartier nahm und deren Befehlshaber ſeine Wohnung im Schloſſe bezog; eifriger betrieben die Anführer des Landſturms deſſen Waffenübungen, denn immer näher kam die Gefahr, und ſchon am 6. Sep⸗ tember 1795 hatte der franzöſiſche Obergeneral Jourdan unter dem feind⸗ lichen Feuer den kühnen Rheinübergang bei Düſſeldorf vollbracht, obgleich er, von Pichegrü nicht unterſtützt, bald darauf dem öſterreichiſchen General Clairfait weichen mußte.
Aber ſchon am 8. September brachen dieſe befreundeten Truppen wieder auf, verließen eilig die Gegend, und ſtatt ihrer rückten am 10. Sep⸗ tember die erſten Franzoſen in Bensberg ein, ein Gemiſch von allen Truppengattungen, welche ſofort vom Ortsvorſtand eine Contribution von 150 Louisd'or verlangten, und als dieſe nicht geſchafft werden konnte, mehrere der angeſehenſten Einwohner auf's Schloß ſchleppten, wo der kommandirende Offizier ſich zuletzt zwar mit 36 Kronenthalern begnügte, die Soldaten aber ungeſtraft im Orte plündern ließ und Tags darauf wieder abzog, um neuen Zuzügen Platz zu machen. Doch ſollte dies nur das Vorſpiel eines langen blutigen Drama's ſein, und die Anführer des organiſirten Landſturms, welche ſich glühend darnach ſehnten, dieſe Streifcorps zurückzutreiben, mußten jetzt ſo geheim als möglich ihre Ver⸗ bindung fortſetzen, denn in Mühlheim war General Lefebvre mit der Avantgarde der Mass⸗ und Sambrearmee eingetroffen, welcher das Gros der Armee folgte.
Den Vorſtellungen des Amtsſchultheißen nachgebend, hatte der Ober⸗ amtsgerichtsadvokat mit ſeiner Gattin in einem von dem bunt und wild bewegten Treiben des täglichen Verkehrs abgelegenen Theil des Schloſſes eine Wohnung bezogen, ſein Haus in Weyerhoff einem alten als treu


