Jahrgang 
3 (1863)
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Von Eduard Gottwald. 327

die Küche, wo ſie unbemerkt von dem Gatten in einem Thränenerguß Linderung der inneren Angſt fand, mit welcher die Sorge um die Ihrigen und um Hab und Gut das Herz ihr erſchwerte.

Die Bewohner der kleinen ſchutzloſen Orte des bergiſchen Landes verlebten zu Anfang des Monats September des Jahres 1795 qualvolle Tage der Unruhe und Beſorgniß, ehe noch die erſten Cohorten der fran⸗ zöſiſchen Armee dieſe Gegenden betraten. Immer trüber wurden die Aus⸗ ſichten auf die nächſte Zukunft, immer ſchreckenvoller die Nachrichten von den verübten Greuelthaten der unter dem Obergeneral Jourdan ſich nahen⸗ den Maas⸗ und Sambrearmee. Ueberall war man beſchäftigt, das werth⸗ vollſte des beweglichen Eigenthums vor der Plünderungswuth der Sans⸗ culotten zu verbergen; überall in den Städten und Dörfern und in den ſtillen Thälern der Wiehl, der Sieg und der Acher bildeten ſich beweg⸗ liche Colonnen unter Anführung des älteſten Sohnes des Oberamtsgerichts⸗ advokaten Stücker, des Vicars zu Offermannshaide Peter Ommerborn, des Seminariſten Heckerrath und des Notar Hank.

Schwer lagen dieſe trüben Tage auch auf dem Herzen der Gattin Stückers, die vorzüglich um ihren Sohn Ferdinand in ſteter Angſt lebte. deſſen Feuereifer für das Wohl ſeines Vaterlandes ihn oft in Lebensge⸗ fahr brachte, und welcher ſpäter unter dem Namender bergiſche Held allgemein bekannt wurde. Aber auch um Hermann, den ſie gern recht bald als glücklichen Gatten an Ulrikens Seite geſehen hätte, und den nicht nur das unruhige Treiben der nun folgenden Tage auf ſeinem Gute in Mühlheim feſthielt, ſondern deſſen Verbindung mit der ihr ſo lieben Tochter des Oberförſters ſie auch in unbeſtimmte Ferne hinausgeſchoben ſah, ſorgte ſich das treue Mutterherz, ſowie um ihren dritten Sohn An⸗ ton, der, bereits ein geachteter Arzt zu Wipperfurth, nur ſelten im elter⸗ lichen Hauſe einſprechen konnte und ebenfalls noch nicht verheirathet war.

Ihr Eheherr war ein wegen ſtrenger Rechtlichkeit und biederen deutſchen Charakters allgemein geachteter Mann, der ſich um die Land⸗ wirthe der Umgegend beſonderes Verdienſt erworben hatte und dafür ſtets dankbar genannt wurde. Denn während mehrere Jahre hindurch