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Von Eduard Gottwald. 325
er meinen Lieblingsplan mir vernichtet und ein Fremder einſt die ſchöne Praris erhält, die ich ihm übergeben wollte,“ entgegnete der Amtsgerichts⸗ idooknt und reichte der Gattin faſt wehmüthig die Hand.„Möge der Himmel uns alle ſchützen und feſt zuſammenhalten laſſen in trüben Tagen, die nicht lange mehr fern bleiben werden.“
„Das walte Gott!“ fügte die Gattin bei, die Hände wie zum Gebet faltend, und wendete ſich jetzt nach der Thüre, vor welcher das freudige Gebell eines Hundes laut wurde.„Da iſt der Hermann in der Nähe,“ rief ſie und eilte einem ſchönen hochaufgeſchoſſenen blonden jungen Mann entgegen, der achtundzwanzig Jahre alt, obgleich ſchlank, doch eine kräftige Geſtalt war, und deſſen Antlitz friſch und geſund, von unverdorbener Jugendkraft zeugte. Jetzt aber warf er halb verdrießlich die Mütze auf einen Stuhl und rief zu den Eltern ſich wendend aus:„Der Gang war
vergebens!“—„Alſo abgewieſen?“ fragte der Vater dem Sohne feſt in's Auge ſchauend.“—„Nun, wenn der Herr Oberförſter dies auch nicht in beſtimmten Worten ausgeſprochen, ſo kann man es doch dafür an⸗ mwehmen,“ entgegnete der Sohn verſtimmt.—„Und Ulrike, wie fandeſt du ſte? War ſie zugegen, als du die Bitte um ihre Hand an den Vater richteteſt?“ fragte drängend die Mutter.*:
„Ich fand Ulriken mit ihrer Tante in der Nähe des Forſthauſes, da ich ſie hatte wiſſen laſſen, um welche Zeit ich kommen würde,“ be⸗ gann der Sohn erzählend.„Sie kam mir herzlich und ermuthigend ent⸗ gegen und theilte mir mit, daß ſie geſtern Abend ſchon mit ihrem Vater, der ſie wie ſeinen Augapfel hütet, meiner Bewerbung wegen eine ernſte Unterredung gehabt, bei welcher auch die Tante ſich auf das wärmſte für mich verwendet, aber von dem Alten keine beſtimmte Erklärung erlangt habe. Als ich nun heute kam und um ſeine Einwilligung zu unſerem Herzensbunde bat, entgegnete er mir mürriſch, daß jetzt, wo jeden Tag der Krieg losbrechen könnte, keine Zeit ſei, an's Freien und Hochzeithalten zu denken, und daß erſt der Himmel wieder heiterer über dem bergiſchen Lande werden müſſe, ehe er davon weiter hören wolle. Was unſere Familie beträfe, ſo verſtehe es ſich von ſelbſt, daß eine nähere Verbindung mit uns ſeinem Hauſe nur zur Ehre gereichen könne, und der Oberförſter ſetzte hier nicht ohne ein ſpöttiſches Lächeln hinzu:„der Herr Oberamts⸗ zerichtsadvokat ſtehe ja ſogar bei Hofe in ſo gewaltigem Anſehen, daß


