———
322 Aus dem Bergiſchen.
ſein Fach gründlich verſteht, von der ſeligen guten Tante das aone Stadt⸗ gut in Mühlheim geerbt und eine Frau ganz anſtändig ernähren kann? Hat der Alte es doch ſtets gern geſehen, wenn unſer Sohn Ulrikchen bei allen Feſten auszeichnete, die wir gemeinſam gefeiert, und wol! gewußt,
warum es juſt der Hermann war, der alle Botſchaften von dir ins
Trausdorfer Forſthaus trug?“
„Jultane,“ begann der Oberamtsgerichtsadvokat, als die Frau ge⸗ endet, und wendete ſich vom Fenſter ab, während ein Anflugg von Herz⸗ lichkeit den Ernſt aus ſeinen Zügen verſcheuchte,„du ſprichſt und hoffſt als Mutter, und ich finde dies ſehr natürlich; auch bin iſch ohne auf unſere Söhne eitel zu ſein, ganz damit einverſtanden, daß Hermann. ſo gut wie die andern in den beſten Häuſern der uns gleick)ſtehenden Fa⸗ milien in weitem Umkreiſe nicht vergeblich als Freier oenklopfen würde — Aber dies alles wird den Oberförſter Proſſer gewiß nicht bewegen,
dem Sohne eines Mannes ſo leichten Kaufes ſeiin Kind als Gattin zu
geben, der ihn, obgleich zum Wohle des Landoes, ſo tief verbetzt.— Du kennſt dieſe eingefleiſchten Jäger nicht und weißt nicht, mit welch' ganz andern Augen ſie eine heilſame Maßregel beurtheilen, die ſie als eim Verletzung ihrer Rechte betrachten; ein ſolcher iſt auch der Oberöörſter, und daher ſein langjähriger Groll. Wohl aber mußte er ſich der eigenen Sicherheit wegen bereit finden laſſen, uns gegen den gemeinſamen keind ſchützen zu helfen, der jeden Tag wie eine Lawine vernichtend heyin⸗ brechen kann.— Dort kommt der Amtsſchultheiß Daniels,“ fuhr der Sprecher nach einer kleinen Pauſe fort,„er ſcheint es eilig zu haſen, und gewiß iſt es nichts erfreuliches, was er bringt.“
Die Mutter ſeufzte bei dieſen Worten ihres Cheherrn tief auf und
ging dem Ankommenden entgegen, der nach kurzem Gruße ſich an den Oberamtsgerichtsadvokaten wendete und dieſem die Hand drückend begann „Nun alter Freund, in Frankreich ſind ſie zwar mit der Schreckensh rr⸗ ſchaft zu Ende, um einer Soldatenwirthſchaft Platz zu machen; hier ber ſcheint man das Schreckensſyſtem fortzuſetzen, denn ſoeben erhalte ich aus Cöln folgende Bekanntmachung des franzöſiſchen Obergenerals, die dieſer erlaſſen, ehe er noch unſer Land betreten.“
„Und was verlangt denn der allgewaltige Jourdan?“ fragte eſpannt Stücker.—
„800,000 Livre Contribution, 10,000 Centner Waizen ud eben ſo


