Jahrgang 
3 (1863)
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Von L. Frank. 319

betäubt, erlegt mit unfehlbarem Griff, wie er heimkehrt, blutbedeckt aber ohne Schwanken, mit dem Werkzeuge des Mords alltäglich hantiert, ſich von neuem zu Prüfung und Deutung zwiſchen die mit Blut erkauften Schätze vergräbt, unbeirrt von dem Glanze des Morgenlichts und den Schauern der Mitternacht; wie er darauf im Uebermuthe der Sicherheit, in unglaublicher Bethörung der Lüge ſich ſelber überweiſend, dennoch den Mantel der Ehrbarkeit nicht fallen läßt, mit eherner Stirn den bitterſten Kränkungen Stand hält, aller Tröſtungen baar, liebelos, theilnahmlos, hoffnungslos, nicht nur das verrätheriſche Wort, aber den Strahl des Auges, die Woge des Bluts, das Beben der Fiber, den Schweißtropfen der Angſt zu meiſtern weiß, in faſt dreißigjähriger Verbrecherhaft, bis an die äußerſte Jenſeitſchranke ſich unerſchütterlich auf ſich ſelber ſteift und endlich über das Alter des Pſalmiſten hinaus ohne Gebreſten in die Grube ſinkt, betrachten wir dieſen Mann, ſo ſagen wir: Nein, wenn für einen überhaupt, für dieſen am letzten dürfen wir eine geheimniß⸗ volle Naturgewalt heraufbeſchwören, die den Menſchen zu einem willen⸗ loſen Werkzeug macht.

Dieſer heimliche Spürer und Schleicher, dieſer eiſerne, eiſige Lügen⸗ geiſt, dieſer Sünder ohne Laſter, allezeit nüchtern und nimmer ſatt, ohne Liebe wie ohne Haß, Keines Freund und Keines Feind, dieſer Menſchen⸗ verächter, der um Menſchenehre buhlt, dieſer feige und doch furchtloſe Greiſenwürger, der ſeine Opfer betäubt gegen den ſchmerzhaften, tödtlichen Streich, dieſer Bekenner des Heiligen, der kein Heiligthum kennt, der Gift ſaugt aus den Quellen, die Jahrtauſenden Balſam geſpendet, dieſer Vater ohne Vaterluſt und Kindertroſt, dieſer Sterbende ohne Ewigkeits⸗ bangen, dieſer Zwitter der Natur, faſſen wir es in ein Wort: ihm gebrach das Herz.

Ein Menſch ohne Herz, wie leicht geſagt und wie unausdenklich der Gedanke! Ein Menſch ohne Herz, weniger als ein Thier und doch ein Geiſt! Ward er geboren ohne dieſes lebenſpendende Organ? Ward ſein Keim erſtickt in der Rohheit und Noth ſeiner Heimatshütte? Hat keine Mutter ihn geſäugt, kein Vatername an ſein Ohr geklungen? Wir wiſſen es nicht, aber die tödtende Lohe ſenkt ſich bei Morgengrauen. Das Leben war wohlfeil ſeiner Zeit. Seine kärgliche Gegend durch einen ſieben⸗ jährigen Krieg verwüſtet, durch Mißernten erſchöpft, ſieht er, ein Knabe, Tauſende verſiechen in Krankheit und Hunger, ſieht er, ein Jüngling, in deutſchen Landen Tauſende verſchachern nach Herrenluſt. Er wird ein