Jahrgang 
3 (1863)
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256 Der Gutsaufſeher.

leon?“—„Meinetwegen in Ihrem Zimmer. Aber was können Sie mir heute noch zu ſagen haben?“—„Gleichviel, was es iſt, Mr. Carleon. Wollen Sie mich anhören? Ja oder nein. Oder ſoll ich nach Olney

gehen und jener jungen Dame ſagen, daß—“—„Wollen Sie, daß ich mich hier in den Fluß ſtürze?“—„Iſt mir nicht bange davor,“ er⸗

widerte Ralph grinſend;„es würde zuviel Lärm in der Umgegend machen.“ — Auf dem ganzen weiteren Rückweg ſprach Dudley Carleon kein Wort mehr. Er hatte ſich den Hut tief in's Geſicht gedrückt und blickte weder nach rechts noch nach links; der Aufſeher, der einige Schritte vor ihm herging, öffnete ihm das Hofthor und trat dann achtungsvoll bei Seite. Vor der Thüre des Beſuchzimmers angelangt, wandte ſich der junge Gutsbeſitzer um und ſagte mit einer Stimme, die laut genug war, um von den Dienſtleuten in der Nähe verſtanden zu werden, zu ſeinem Auf⸗ ſeher:„Eh' Sie zu Bett gehen, Purvis, halten Sie Ihre Rechnungen bereit. Ich will auf Ihr Zimmer kommen und davon Einſicht nehmen.“

Die Herbſtwinde fegten mit unheimlichen Stimmen und ſeltſam kla⸗ genden Lauten über die weiten ebenen Stoppelfelder der Grey⸗Farm. Nebel ſtiegen auf von den kahlen Aeckern und den tiefgelegenen Wieſen, einen geſpenſtiſchen Schleier breitend über das Land, zwiſchen dem der Fluß ſeine trägen Wellen dem fernen Meer zuwälzte. Das tiefe ſtille Waſſer ſchien etwas verwandtes zu haben mit dem Weſen des Gutsauf⸗ ſehers Ralph Purvis; gleich dieſem war es dunkelfarbig und ſchweigend, heimlich aber unwandelbar ſeinem Ziele zuſtrebend, unverſehens den Tritt des Wanderers hemmend oder verſtohlen ihm nachſchleichend in der Dun⸗ kelheit der Nacht. Gleich dieſem konnte der Fluß vor dir erſcheinen, wo du ihn am wenigſten erwarteteſt, und wie das finſtere Geſicht des Auf⸗ ſehers dich mit einem inſtinktartigen, unvernuͤnftigen Mißtrauen erfüllen. Unglückliche Weiber waren hinuntergeſchlichen an das traurige Ufer, um in aller Stille ſich zu ertränken an den ſchilfigen Biegungen, wo das Waſſer am tiefſten iſt. Zwanzig Miles von der Grey⸗Farm hatte ein Sohn ſeinem Vater das Meſſer in's Herz geſtoßen und im Dunkel der Nacht die Leiche der verrätheriſchen Flut überantwortet, welche den er⸗ ſtarrten Körper wieder zurückbrachte und am Ufer niederlegte, wo er beim Lichte des Morgens aufgefunden wurde. Kurz, man erzählte ſich allerlei ſchreckliches von dieſem trübſeligen Waſſer, und wie es unfern von den Mauern des hohen ſteinernen Hauſes ſich wand und drehte, ſchien es den