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246 Der Gutsauſſeher.
—„Du moöchteſt in dieſelbe Krankeit verfallen, deren Opfer Martin wurde. Die Aerzte ſchreiben ſie der Luft von Grey⸗Farm zu.“—„Und warum bleiben denn die Männer, welche Jahr aus, Jahr ein auf dem Gut arbeiten, geſund? Glauben Sie mir, Onkel, nicht die Grey⸗Farm hat den Tod meines Bruders verſchuldet; ſeine Conſtitution muß nicht die beſte geweſen ſein.“
„Was fällt dir ein— der große, kräftige, breitſchulterige junge Mann!“ ſagte der Onkel.—„Solche Perſönlichkeiten erliegen oft am ſchnellſten einer Krankheit, welche die Unwiſſenheit der ärztlichen Leib⸗ walter einer falſchen Urſache zuſchreibt. Martin hat dreiundzwanzig Jahre auf der Grey⸗Farm gelebt, und wenn der Herbſt auch kalt und regneriſch war, ſo hat es deren ſchon mehr gegeben. Wie oft iſt nicht ſchon, wie dieſes Jahr, die Farm halb unter Waſſer geſtanden? Ich bin feſt über⸗ zeugt, Onkel Weſton, Martin hätte nicht ſterben müſſen, wenn ſein Doc⸗ tor kein jämmerlicher Hohlkopf geweſen wäre. Dies iſt theilweiſe der Grund, warum ich mir ſeinen Tod ſo ſehr zu Herzen nehme. Meiner Anſicht nach wurde er das Opfer der Unwiſſenheit zweier unwiſſender Receptſchmierer, und ich werde mir nie verzeihen, daß ich nicht früher einen Londoner Arzt herbeibeſchied, ehe es zu ſpät war.“—„Wie, du haſt von London Hülfe aufgeboten?“—„Ja, durch den Telegraphen, aber leider erſt eine halbe Stunde vor ſeinem Tod.“
„Mein lieber Neffe, du haſt deine Schuldigkeit gethan. Aber ſage mir,“ fuhr der alte Mann fort, um dem Geſpräch eine andere Wendung zu geben,„wie du dein Hausweſen einzurichten gedenkſt. Willſt du alle die Dienſtboten beibehalten?“—„Alle, bis auf die Küchenmagd herunter. Mit meinem Willen ſoll niemand von den Dienſtleuten des Guts die Grey⸗Farm anders verlaſſen, als um zu Grabe getragen zu werden.“— „Die junge Perſon, welche den Leichentrunk herumreichte, ſcheint einer beſſeren Klaſſe anzugehören als die andern. Wer iſt ſie?“—„Oh, ich denke, es wird Martha geweſen ſein. Sie iſt die Schweſter unſeres Gutsaufſehers, eines ſehr tüchtigen jungen Mannes.“—„Ein recht hübſches Frauenzimmer.“—„Meinen Sie? Zu blaß, zu ſchwerfällig, der Teint zu dunkel. Ich glaube, die Perſon iſt nie jung geweſen. So lang ich ſie mir denken kann, war ſie immer ſo ernſt und puritanerartig — ſtets dasſelbe feierliche, bleiche Geſicht, mit dem glatten Scheitel über der Stirne. Aber ſie verſteht ſich gut auf die Haushaltung.“—„Eine


