Jahrgang 
3 (1863)
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Von E. Dom. Brand. 243

Eine halbſtündige Fahrt brachte den Trauerzug vor das Gartenthor an der Vorderſeite des Farmhauſes. Das Leichengefolge ſtieg hier aus und verfügte ſich nach einem langen, niedrigen Gemach mit eichenem Ge⸗ täfel, das nach der ſchwerfälligen, vor fünfzig Jahren üblichen Mode möblirt war. Die Carleons gehörten zu den älteſten Familien von Lincolnſhire. Das Farmhaus war mit Porträten von ſchönen Gentlemen in Wämſern und Knieſtrümpfen angefüllt von Soldaten, die bei Bos⸗ worth und Flodden fielen, von Kavalieren, die bei Woreeſter gefochten hatten, von wackern Kriegern und loyalen Edelleuten, welche die Rebellen bei Marſton Moor ſchlagen halfen; während der letzten anderthalb Jahr⸗ hunderte aber war das Schwert der Pflugſchar gewichen und die ganze Reihe der Carleons, Vater, Sohn und Enkel, zur Landwirthſchaft über⸗ gegangen. Die Grey⸗Farm führte ihren Namen von dem Umſtande, daß ſie früher Eigenthum des Ordens der grauen Brüder geweſen, die hier ein Kloſter gebaut hatten. Im Jahr 1700 kaufte ein jüngerer Sohn aus dem Hauſe der Carleons die Beſitzung; der ältere Zweig war er⸗ loſchen, das übrige Familiengut der Krone anheimgefallen und die noch beſtehende Linie in die Reihe einfacher Gentlemenfarmer eingetreten.

Dudley Carleon näherte ſich dem ungeheuern Feuerplatz, an welchem eine trübe Flamme mit einer Maſſe von Kohlen und dickem, weißem Rauch kämpfte. Der junge Mann legte ſeinen Arm auf die Ecke des hohen Kaminrandes, ſtützte den Kopf auf ſeinen Arm und wandte das Geſicht ab von den übrigen Gentlemen, die ſein finſteres Schweigen ſicht⸗ lich in große Verlegenheit ſetzte. Ein junges Frauenzimmer, die erſte unter den weiblichen Dienſtboten, welche, wie ihr Herr, in tiefe Trauer gekleidet war, beeiferte ſich, den Trauergäſten Wein und Kuchen anzu⸗ lüeten. Nach dieſen wollte ſie auch Dudley Carleon bedienen; als aber ſer junge Mann das Klirren der Gläſer neben ſich hörte, blickte er plötz⸗ lch auf und wehrte mit ungeduldigem Kopfſchütteln ab. Er war ſehr tleich und ſeine großen blauen Augen ſäumte ein purpurner Ring, der nen ein ſeltſam entſtelltes Ausſehen verlieh.

Einer der Gentlemen, der Notar von Olney, verlas das Teſtament ſes Hingeſchiedenen. Es war ſehr einfach. Martin Carleon hatte nichts zu vererben, als die Farm und das Heimweſen, auf dem er geboren und nach dem kurzen Lebenslauf von dreiundzwanzig Jahren geſtorben war. Sein Tod war in Folge eines Zehrfiebers eingetreten, das nach dem Gut⸗

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