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Von L. Frank. 239
Gebote ſtehen, waltete der unſere ſeiner Neigung gemäß forſchend, ſchaffend und ſammelnd in Schreib⸗ und Bücherzimmer, vornehmlich als Exeget und Orientaliſt; er trug ſich ernſtlich mit dem Plane, die Kanzel gegen den Katheder zu vertauſchen, und veröffentlichte vielfältig theologiſche Ab⸗ handlungen, die ihrer Zeit von Fachgenoſſen gewürdigt wurden. Wenn dagegen der einfache Tageslauf eines Dorfpfarrers den gelehrten Ma⸗ giſter veranlaßte, und zwar kurz vor ſeiner dunkeln Lebenswendung, auch mit einer Selbſtbiographie vor das Publikum zu treten, ſo dürfte ſich daraus auf einen Grund von Ruhmſucht oder Eigengefallen ſchließen laſſen und dem Beurtheiler ein Schlüſſel zu manchem ſpäterhin Unerklär⸗ lichen in ſeiner Natur geboten ſein. Jedenfalls hat mit dieſer Mani⸗ feſtation das eigentlich Räthſelhafte des bis dahin keineswegs alltäg⸗ lichen, aber doch noch weniger unverſtändlichen Mannes ſeinen Ausgang genommen.
Denn ſeltſamerweiſe anticipirt er in derſelben die Klagen über Miß⸗ deutungen und Verdächtigungen, von welchen zur Stunde nirgendwo ein Laut offenbar geworden; er verheißt nach ſeinem Tode rechtfertigende Thatſachen, Aufklärungen über Welt und Zeit und beruft ſich auf den ewigen Richter, der den Rath der Herzen offenbar machen wird. Er fühlt ſeine innere Ehre wachſen unter der Laſt der Schande, tröſtet ſich, daß um Wohlthat willen leiden Gnade vor Gott und Menſchen erwecke, und erklärt, die erkannte Heilandswahrheit bis an ſein Ende behaupten zu wollen.
War es Vorahnung eines zum Märtyrerthume Beſtimmten, als er ſich mit ſolcher Feierlichkeit vernehmen ließ? War es Klügelei eines ſich böſer Thaten bewußten, oder mit böſen Thaten ſich tragenden, um drohende Anklagen zu pariren, ſeinen Ruf im Voraus zu feien? Schul⸗ digte er ſich an, indem er ſich zu entſchuldigen gedachte?
Feſt ſteht, daß zur Zeit jener Veröffentlichung der Pfarrer von Po⸗ ſerna ein unbeſcholtener Mann geweſen. Alle Stimmen ſeiner früheren wie gegenwärtigen geiſtlichen Oberen vereinigen ſich in der Anerkennung wie ſeiner Gaben und ſeines Eifers, ſo der Gewiſſenhaftigkeit und hohen Sittenreinheit ſeines Wandels. Seine Familienlage bot keinen Anſtoß. Er hatte Kinder aus zwei Ehen, und da er beide Male mit Wittwen verheirathet war, auch Stiefkinder aus beiden, Kinder in den verſchie⸗ denſten Alterſtufen, mehrere Söhne bereits Studenten; aber auch dieſe


