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Von L. Frank. 237
„Ehret die Menſchheit! Ob auch die Menſchen ihrer Würde ver⸗ gäßen, und ob der Menſch nicht Menſch mehr wäre in ſeinen Thaten: Ehret die Menſchheit!“
So ſprechen wir ihm nach mit einer kleinen Wortveränderung, um dieſen ſeinen„täglichen Zuruf“ als Einleitung für unſer Seelenräthſel ſchicklich zu machen.
Wo die erhöhten Ränder des Saalfluſſes ſich zu der öſtlichen welt⸗ hiſtoriſchen Ebene abflachen, an der Stelle, von welcher am erſten Maien⸗ tage 1813 die Leiche des Herzogs von Iſtrien, des großen feindlichen Voropfers der Befreiungskämpfe, verhüllt und klanglos zu Thale nach dem frommen Elternhauſe Friedrichs von Hardenberg geführt ward, bei Rippach, verlaſſen wir die Leipziger Straße, folgen gen Mittag dem Laufe des gleichnamigen Baches und erreichen nach einer Viertelſtunde etwa in einer fruchtreichen Aue ausgebreitet, Dorf und Herrenſitz Poſerna.
Hier, an der Stätte ſeines Geburtshauſes, wurde vor wenigen Mon⸗ den eine Tafel eingefügt, als Mahnung an jenen biederen deutſchen Mann, der zum Preiſe des in ſeinen heimatlichen Gauen ſo heißerſehnten Hu⸗ bertusburger Friedensſchluſſes den Namen Gottfried trug, deſſen Leben aber ſeinem Namen zum Hohn ein herber Kampf geblieben iſt, weil ihm als einziges Vatererbe die Eigenart geworden,„kein Unrecht ſehen zu können, ohne aufzuſchreien,“ und das Sachſenloos, zweimal gegen eine Sache geworben zu werden, die ſein Herz vertrat.
Ein Jahr vor Johann Gottfried Seumes Tode wurde in dieſes Dorf von einem gelehrte Bildung ſchätzenden, heute noch lebenden Patron für das erledigte Kirchenamt ein Pfarrer berufen, gleichen Alters mit jenem eingeborenen unruhigen Wanderer und in ſeinen Lebensanfängen ein Gleichgeſtellter. Auch Johann Georg Tinius ſtammte aus einem armen Bauernhauſe und war durch milde Hand, unter harten Entbehrungen für ſeinen deutlich hervortretenden Beruf gefördert worden. Er hatte in Wittenberg ſtudirt, und wenn der damalige Profeſſor, ſpätere Conſiſtorial⸗ rath und Hofprediger Reinhard ihm das öffentliche Zeugniß gab, daß er durch ſeine Tugenden ihm vor allen Mitſchülern lieb und werth geworden, ſo muß man ſich erinnern, wie einflußreich dieſer vermittelnde Gottes⸗ nnd


