236 Ein fünfzigjähriges Menſchenräthſel.
einen einzigen weittragenden Namen in der Waffenkunſt aus unſeren Gauen erſtehen ſahen, jenen Baſtardſohn leiblicher Schöne und Kraft, der den Ruhm eines kleineren Turenne dem eines größeren Moritz vor⸗ gezogen; ſo oft der Schmerz in uns aufwacht, daß wir, das kläglichſte Exempel deutſcher Staatenkläglichkeit, ſeit drei Jahrhunderten in allen Kämpfen mitgefochten, tapfer ohne Ruhm, häufig gegen unſere Neigung wie gegen unſere Wahl, heute für einen Freund, der geſtern unſer Feind, morgen gegen einen Feind, der geſtern unſer Freund geweſen; daß wir geſchmäht wurden, wo wir retteten, Verräther geſcholten an unſerem Fürſten, wenn wir das Vaterland am allgemeinen Vaterland, wenn wir unſeren Landesfürſten vor Augen hatten; ſo oft wir die überwundenen Theile ſich leichtlich dem ſtärkeren Ueberwinder einen ſahen, uns Miſch⸗ linge, Schwächlinge, Spätlinge, Laulinge höhnen hörten, und heute unſere Niederlagen als deutſche Feſte feiern helfen.
Aber„ſobald man ſpricht, beginnt man auch zu irren;“ die Gelegen⸗ heit von Ort und Stunde hat uns in Allgemeinheiten verlockt, weit über unſer Ziel hinaus, ja demſelben ſchnurſtracks entgegengeſetzt, da wir nur beabſichtigten an eine ſeeliſche Beſonderheit zu mahnen, die ſich aus der Eigenart keines deutſchen oder außerdeutſchen Stammes erklärt, und in ihrem Zuſammenhange erfaßt, unter den bekannt gewordenen Nachtge⸗ ſtalten aller Zeiten Gottlob als ein Unicum verzeichnet iſt; ein Lebens⸗ bild, das in dem Jahre einer geſchichtlichen Bewegung ohne Gleichen, da die Bedeutung des Einzelndaſeins ſo tief im Werthe ſank, über ſeinen beſcheidenen Kreis hinaus die Gemüther in Furcht und Grauen erſchütterte, und deſſen ungelöſ'te Widerſprüche noch heute zwiſchen den großen Erin⸗ nerungen, die wir feiern, eine Auffriſchung verdienen mögen.
Bevor wir jedoch den Griffel für dieſe düſtere Zeichnung in Be⸗ wegung ſetzen, möge es uns geſtattet ſein, noch einmal abſchweifend an eine Geburtsſtunde zu erinnern, die wie ſo manche andere auf dieſem Boden heuer hundertjährig, unter den Zeitgenoſſen kaum eine Spur zurück⸗ gelaſſen hat. Und doch haben die Matadore an der Ilm Johann Heinrich Heydenreich für ihre ſcharfe Geißel nicht zu unbedeutend erachtet, und doch ſteht ſeine Graburne noch unverſehrt, hoch über dem Flußſpiegel auf dem Kirchhofe des Dörfchens, in welchem der Verirrte Ruhe gefunden, und wir leſen die Inſchrift von treuer Freunde Hand:„Der edle Geiſt entfloh der Macht der Sinne“.
giß Chr
dieſ ſchie


