Jahrgang 
3 (1863)
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Von L. Frank. 235

von Ernte zu Ernte die urſprüngliche Keimſenkung verfolgt. Auf dieſer nämlichen Grenzmark des alten, ſerbiſchen Oſterlandes rettete der erſte ſächſiſche Heinrich deutſches Weſen vor der Gewaltigung ungariſcher Hor⸗ den(Schlacht bei Keuſchberg 933), und wenige Stunden ſüdwärts endete auf dieſem Grunde Gegenkaiſerthum und Leben des ſchwäbiſchen Rudolph, irrt die Sage nicht, durch die Hand Gottfrieds von Bouillon, im Ringkampfe mit jenem unſeligen Salier, der, trotz ſeiner Tapferkeit ein Schwächling und trotz ungezählter Siege ein Ueberwundener, nicht minder als ſein eherner, geiſtlicher Bannherr ſeine Bahn im Elend des Aſils be⸗ ſchließen ſollte(Schlacht bei Mölſen 1080).

Wenn wir nun von manchen Höhenpunkten unſeres Schauplatzes mit einem Blick in die Runde dieſe ſieben Gewaltſtätten überſchauen und Schritt für Schritt durch ſchwächer nachlebende Thaten die Kette der Er⸗ innerungen ſchließen, ſo fällt es dem Strategen nicht ſchwer, aus räum⸗ lichen Verhältniſſen darzuthun, wie anfänglich ein dunkler Trieb, ſpäter die bewußte Kunſt des Kriegers juſt dieſe Grenzebene ſächſiſch⸗thüringer Lande als eine von der Natur zu großen Entſcheidungen vorbeſtimmte erkieſen mußte. Der Etholog aber nimmt Akt von der Schickſalsironie, welche die Laſt ſo ſchwerer Erfüllungen einem weſentlich friedfertigen, ſeiner bürgerlichen Tugend und Sitte ſich rühmenden Stamme auferlegte, einem Stamme, der wohl mit gezücktem Schwert, aber nicht mit dem in der Fauſt, den altſaſſiſchen, ſtreitbaren Sinn behauptet hat.

Denn mit den Vorkämpfern und Siegern des Gedankens, mit einem Pufendorf, Leibnitz, Leſſing und dem erſten in der Reihe: Martin Luther, Sachſenkinder ſie alle, Saſſen des Geiſtes müſſen wir uns tröſten, und tröſten wir uns, weiſen auf Händel und Bach, die Bahnbrecher und Behaupter einer vornehmlich deutſchen Kunſt, auf den germaniſch eigen⸗ artigen Tiefſinn eines Böhme, Zinzendorf und Novalis, ſo oft der nor⸗ diſche Nachbarſtamm ſeine ſtolzen Waffenhelden gegen uns ſpielen läßt; erinnern an die geiſtigen Gebiete, die wir für ihn erobert, an die Kämpen, die wir ihm geboren, ſo oft er uns übermüthig vorhält, daß ſeit den Zeiten des ſtreitbaren Friedrich, da die ſächſiſche Chur die tonangebende Stimme in den kaiſerlichen Landen geführt, der ſächſiſche Einfluß und ſelber ſeine räumliche Macht zu des Nachbars Gunſten zuſammengeſchrumpft, daß wir nach jenem Moritz, den man mit Recht oder Unrecht den Großen genannt, von keinem fürſtlichen Führer ein Gepräge erhalten, und nur