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Von Friedrich Lampert. 227
gleich dem weſtlichen, reich an Bildwerken, würdig des reichen, edlen Innern. Denn ihr Inneres gerade iſt es, was die Cathedrale von Lauſanne auszeichnet. Im Aeußeren mögen die von Bern, Baſel mit ihr wetteifern, aber innen, da kommt ihr an Reinheit, Zierlichkeit, Pracht des Stils, keine gleich. So rein und durchgebildet iſt mir die Gothik an wenigen Domen erſchienen. Kein ſonſtiger Schmuck in der ganzen Kirche, ſie iſt ja eine kalviniſche, nur der des nackten, kalten Steins; aber der hat in den tauſend und aber tauſend Formen, wie ſie ſich da durch⸗ einander ſchlingen, in dieſen Pfeilern und Gallerien, Säulen und Säul⸗ chen Leben gewonnen und wirkt ſo recht nur durch ſich ſelbſt. Auch beſonders reich an Grabmälern und künſtleriſch werthvollen Monumenten iſt die Kirche. Der Geſchichte gehört beſonders eines an, das des Her⸗ zogs Viktor Amadeus VIII. von Savoyen, den das Baſeler Concil als Felix V. zum Papſt gewählt; auch die einfache Gedächtnißtafel des Majors Davet,„mort sur l'échafaud en 1723, martyr des droits et de la liberté du peuple vaudois“. Dazwiſchen nennen die Epitaphien auch fremde, ausländiſche Namen, ſo die der ruſſiſchen Fürſtin Orlow, der Lady Strattford⸗Canning, der Gemahlin des berühmten Diplomaten, und der Gräfin Walmoden⸗Gimborn, der Schwiegermutter des Miniſters von Stein.
Die Lauſanner Biſchöfe haben einſt ſtarkes Regiment geführt; aber gerade in ihrer Cathedrale ſchlug deſſen letzte Stunde. Hier ward 1536 die berühmte Disputation gehalten, an welcher Calvin, Farel und Viret den lebhafteſten Antheil nahmen, und welche die Verlegung des Biſchofſitzes nach Freiburg, die Trennung des Waadtlandes von der römiſchen Kirche und die Löſung des ſavoyiſchen Unterthanenverhältniſſes zu Folge hatte. Das ehemalige Biſchofsſchloß iſt nun Cantonalrathhaus geworden. Auch von ihm aus hat man einen ſchönen Blick auf See und Stadt. Aber ſo ſchön ein jeder war, der ſich mir von dem oder jenem Punkte erſchloß, meine Zeit für Lauſanne war abgelaufen; ein Blick in ſein Innenleben, das ſtaatlich, kirchlich und wiſſenſchaftlich vielleicht mit das geweckteſte und bedeutendſte der Schweiz iſt, weßhalb es auch mit Bern, Zürich und Baſel um die neu zu errichtende Schweizeruniverſität ſtreitet, und in ſeine reichen Bildungs⸗ und Wohlthätigkeitsanſtalten war mir nicht ver⸗ gönnt— ich war, als es dunkelte, wieder auf dem Weg hinab nach Ouchy, aber diesmal nicht zum Hafen, ſondern zur Eiſenbahn, an der ich nicht mehr lange auf den Schnellzug zu warten hatte, der, Dank
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