Jahrgang 
3 (1863)
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Spätſommer in der Schweiz.

Von

Friedrich Lampert.

II. Am Genferſee. (Schluß.)

Kurz nachdem man die Stadt betreten, befindet man ſich amHôtel Gibbon, in deſſen Gärtchen der berühmte Geſchichtſchreiber einſt ſeine römiſche Geſchichte beendet, vorübergehend, an und auf demGrand Pont auch Pont Richard nach ſeinem Erbauer genannt, einer der merkwürdigſten Brücken, die ich kenne. Ein tiefes, ſchluchtiges Thal ſcheidet die Stadt in zwei, früher faſt ganz abgeſchnittene Theile, ſie hat nun jener Pracht⸗ brückenbau, in den Jahren 1839 1844 ausgeführt, verbunden; üppig wucherndes Grün ſchaut aus dem Thalgrund herauf, ſchlingt ſich an den Felſen der Thalwände hinan. Von hier überſehen wir faſt ſchon die ganze Stadt, amphitheatraliſch übereinander geſchichtet, auf der Spitze von Schloß und Cathedrale gekrönt.

Zu letzterer ſtieg ich zuerſt hinauf; eine unanſehnliche, gedeckte, 164 Stufen zählende hölzerne Treppe ſührt über den Markt zu ihr empor. Aehnlich der von Bern, iſt die Münſterterraſſe mit hohen, alten Bäumen bewachſen, der Spielplatz von Kinderſchaaren, der Standort zu einer prächtigen Ausſicht. In einem großen Halbkreis liegt die Stadt unter uns ausgebreitet, aber wegen des Mangels hervorragender Thürme hat ſie wenig charakteriſtiſches; dafür tritt das, was draußen in der Nähe und Ferne, doppelt wirkſam heran: am Rande rechts über dem nächſten die Stadt umziehenden Waldkranze die Bergkette, welche gen Genf hin verläuft, links die Gigantenreihe der Savoyer Alpen, dazwiſchen hinaus der See mit ſeinen ſchon im Abendlicht ſchimmernden wogenden und wallenden Fluten.

Durch das ſüdliche Portal trat ich in die Cathedrale ein; es iſt