Jahrgang 
3 (1863)
Einzelbild herunterladen

222 Doralice.

gegnete Emilie.„Ich kann nicht glauben, daß es dir gleichgültig ſein del

wird, wenn du hörſt, Doralice hat deine Ehre und deinen Namen, den ſit n 13 auch ſte trägt, befleckt, indem ſie mit einem andern Manne entflohen iſt.“ un —„Das iſt nicht wahr, kann nicht wahr ſein!“ rief Theodor in höchſter u A Aufregung.„Du lügſt, um Doralice zu läſtern, welche du nie leiden ung ' 8 mochteſt. Doralice iſt mir treu, darauf wollte ich ſchwören!“ umn „Und würdeſt dann einen Meineid auf dein Gewiſſen laden,“ warf loch A Emilie ein.„Höre mich ruhig anz; ich werde nur die reine Wahrheit de erzählen und Doralice ſicher mit keinem Wort läſtern, wie du wähnteſt. uij Es ſind nun fünf Tage her, als eines Morgens dein Dienſtmädchen in hit 6 8 höchſter Angſt hier ankam, mich zu ſprechen wünſchte und mir mittheilte, z 6 3 daß deine Frau verſchwunden wäre. Ihr Bette ſei unberührt, ihre Sachen 3 4 in beſter Ordnung, doch von ihr ſelbſt keine Spur aufzufinden. Ich eilte An I nach deinem Hauſe und fand alles beſtätigt, wie es das Mädchen geſagt. 1 Ich verbot derſelben, über dieſe Angelegenheit mit andern Leuten zu ſpre⸗ del chen, indem ich beſtimmt auf Doralicens Wiederkehr hoffte, wähnend, ſie ¹ wäre vielleicht bei Bekannten unwohl geworden und bei denſelben geblie⸗ ſän ben. Ich ging jeden Morgen in dein Haus, um nach der Vermißten zu ſo 6 fragen. Es kam keine Kunde von ihr. Endlich geſtand mir die Magd, d wie ſie bereits im Sommer bemerkt hätte, daß Doralice am ſpäten Abend lau 6 im Garten mit einem fremden Manne Zuſammenkünfte gehabt, und be⸗ ſchrieb mir denſelben ſo genau, daß ich ihn gleich erkannte. Du erinnerſt nich 1 dich wohl ſelbſt noch, daß im Monat Juli ein Italiener mit einer Leier . hier umher zog, der durch ſeine Schönheit und durch ſein eigenthümliches in 8 Inſtrument allgemeines Aufſehen erregte. mn „Eines Abends hat nun die Magd die Töne dieſer Leier in der ſei 3 Nähe deines Gartens an dem kleinen Pförtchen vernommen, dann neu⸗ dor 4 gierig, was das bedeuten ſollte, ſich in den Garten geſchlichen und ſich 6 hinter dem Fliederbuſch, nahe bei dem Pförtchen, verborgen. Da hat wi

ſie deutlich geſehen, wie Doralice aus der Jasminlaube getreten und it

eilig den großen Gang hinunter geſchritten iſt, das Pförtchen entriegelt ni

und dann durch daſſelbe den fremden Leiermann eingelaſſen hat. Sie haben ſich auf die kleine Bank niedergeſetzt und eifrig in derſelben Sprache mit einander geredet, in welcher du dich immer mit Doralice unterhalten haſt. Dies hat bis nach Mitternacht gedauert und ſich am 3 andern Abend genau wiederholt, und an dieſem will die Magd auch ge⸗ d W ſehen haben, daß Doralice dem Fremden in die Arme geſunken iſt. Nach d

1