Jahrgang 
3 (1863)
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Von O. Otto. 221

reiſe heimkehrend, welche ihn acht Tage entfernt gehalten hatte, vor ſeinem Hauſe wieder anlangte. Er klingelte, und bald darauf hörte er, wie die alte Magd mit ſchleichendem Schritt durch den Flur kam, um die Thüre zu öffnen.„Iſt meine Frau in ihrem Zimmer?“ fragte er raſch.— „Die Frau?“ wiederholte die Alte zögernd.„Ach, lieber Herr, ſeien Sie nur nicht böſe, wenn ich es Ihnen ſage, aber die Frau iſt ſchon ſeit fünf Tagen fort.“—„Was plapperſt du denn für dummes Zeug von fünf Tagen und Fortſein?“ herrſchte ſie Theodor heftig an.„Du haſt mich wohl nicht verſtanden? Wo iſt meine Frau?“—„Ich weiß es nicht,“ ſtammelte die Magd, und als ſie Theodor mit einem zornigen Blick an⸗ ſah, öffnete ſie die Thüre zur Schlafſtube und ſagte:„Da ſehen Sie ſelbſt, beſter Herr, alles iſt leer und in guter Ordnung, das Bette noch unberührt. So fand ich am Morgen des dritten Tages nach Ihrer Ab⸗ reiſe das Zimmer, und ſo iſt es auch geblieben. Von der Frau iſt keine Spur zu finden geweſen. Fragen Sie nur Fräulein Emilie, die hat auch Haus und Garten genau durchſucht.“—

Theodor ſah die Sprecherin mit einem Ausdruck an, als ob er ſie tödten wollte.„Habe ich oder haſt du den Verſtand verloren?“ brachte er mühſam hervor. Dann eilte er, ſeiner Sinne kaum mächtig, nach der Stadt in die väterliche Wohnung, und Emilie grade in der Küche tref⸗ fend, rief er ihr mit überlauter Stimme entgegen:„Wo iſt Doralice?“ —„Seit fünf Tagen verſchwunden,“ antwortete ihm die Schweſter ernſt. —„So hat ſie ſich ein Leid angethan!“ ſchrie Theodor wild auf.„Hat ihrem Leben freiwillig ein Ende gemacht, vielleicht in den Fluten ihr Grab gefunden, und ich, Unſeliger, habe ſie durch meine Nachläßigkeit in den Tod gejagt!“—„Beruhige dich, Theodor, und komme mit in die Stube,“ unterbrach ihn Emilie und einen Blick auf das Dienſtmädchen werfend, fügte ſie hinzu:„Ich habe dir Mittheilungen zu machen, welche keine Zeugen dulden.“

Mechaniſch folgte Theodor der Schweſter in deren kleines Zimmer und als ſie die Thüre geſchloſſen hatte, ſagte ſie:„Theodor, die Mitthei⸗ lungen, welche ich dir über Doralice zu machen habe, werden dich viel⸗ leicht mehr ſchmerzen, als ihr Tod.“—„So lebt ſie?“ fiel er ihr freudig in's Wort.„O, wenn ſie nur lebt, wenn ich mir nur nicht den Vor⸗ wurf machen darf, durch mein kühles Betragen gegen ſie ihren Tod ver⸗ anlaßt zu haben, ſo iſt es ſchon gut, und ich will alles andere über mich ergehen laſſen.“—„Letzteres möchte ich doch ſehr bezweifeln,“ ent⸗