220 Doralice.
„Es thut mir ſo wohl, dich reden zu hören; ſchon der Ton Deiner Stimme iſt Muſik für mein Ohr.“
„Doralice,“ ſagte Beppo ſehr ernſt,„wenn du die feſte Ueberzeugung haſt, daß deine Nähe zu dem Glück deines Mannes nicht mehr gehört, und er alſo deine Entfernung nicht allzu ſchmerzlich vermiſſen wird,— wenn du den Muth haſt, dich von hier zu entfernen und den weiten Weg nach der Heimat unter mancherlei Entbehrungen zurückzulegen, ſo will ich verſuchen, dir denſelben anzubahnen. Ich werde ſchon morgen von hier abreiſen, auf geradem Wege nach Verona zurückkehren und dort den Pater Aoſta aufſuchen. Er hat nie aufgehört, für dich das lebhafteſte Intereſſe zu bewahren und wird uns auch jetzt gewiß mit Rath und That beiſtehen, wo es gilt, dich, wenn auch nicht dem Glück, doch dem Leben zu erhalten. Denn hier biſt du von ſo traurigen Verhältniſſen umſponnen, daß nicht allein dein Geiſt, ſondern auch dein Körper unter ihnen dahin welkt, und du auf dieſem Wege des Harmes und der Schmerzen einem frühen Tode entgegen reifſt.— Faſſe alſo Muth in dem Gedanken, daß dir noch beſſere Tage winken; ſei ſtark in der Hoffnung, daß die goldene Sonne Italiens dich wieder beſcheinen wird und ihre Strahlen auch das erſtorbene Gefühl der Freude nochmals in dir wach rufen werden. Denke daran: Chi s'ajuta, dio Pajuta. Und nun lebe wohl, theure Freundin meiner Seele. In einer kurzen Zeit ſehen wir uns hoffentlich wieder. Wenn du eines Abends an dieſer Stelle vien qua dorina bella ſingen hörſt, dann bin ich in deiner Nähe.“
Beppo war aufgeſtanden und ſah mit ernſten treuen Augen in das bleiche Antlitz der jungen Frau, welche, keines Wortes mächtig, ihm nur ſtumm die Hand reichte. Schon wollte er ſich entfernen, da ſprang ſie ſchnell von ihrem Sitz empor, ſchlang mit einer heftigen Bewegung ihre Arme um ſeinen Hals und rief weinend:„Ja, Beppo, gehe du und ſuche ein Plätzchen für mich, auf welches ich mein müdes Haupt niederlegen kann. Hier finde ich doch keine Ruhe mehr. Ich bin nicht glücklich und mache nicht glücklich, deßhalb iſt es beſſer, daß ich gehe. Deine brüder⸗ liche Liebe wird mich ſchützend begleiten auf der dunkeln Wanderung nach dem lichten Heimatlande!“
Der Sommer war vorüber. Schon wurden die Abende länger und ein kühler Wind ſtreifte Wald und Flur, als Theodor von einer Geſchäfts⸗
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