Jahrgang 
3 (1863)
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132 Die Roſe von Erin.

war er außer Gefahr. Es iſt nie ermittelt worden, wer ihm das Gift zuſteckte.

Aus Rückſicht für ſeine Verwandte wurde ihm erlaubt, in einer von zwei ſchwarzen Pferden gezogenen Poſtchaiſe nach dem anderthalb Miles entlegenen Hinrichtungsplatz zu fahren. Die Pferde waren das Eigen⸗ thum des Leichenbeſtatters Denmeade, ein paar ruhige Thiere, welche die gewöhnliche Beſpannung der Todtenwagen bildeten.— Es hatte ſich eine ungeheure Volksmenge zuſammengefunden, und als S— in die Chaiſe ſtieg, zerriß ein wahrer Donner von Verwünſchungen die Luft; doch war durch die Vorſorge des Majors Vokes das Fuhrwerk dermaßen mit Polizei und Militär geſchützt, daß man weder von Seiten des Volks eine Lynch⸗ juſtiz, noch von Seiten der Freunde des Verurtheilten einen Rettungs⸗ verſuch fürchten durfte. 4

Die Pferde gingen in ruhigem Schritt, bis ſie die Baalsbrücke, die über einen ſtarken Arm des Shannon führt, erreichten. Hier machten ſie plötzlich Halt und waren weder durch die Peitſche noch durch den Sporn weiter zu bringen. Unter dem iriſchen Landvolk herrſcht der Aberglaube, daß kein Pferd einen Mörder über ein fließendes Waſſer ziehe, und man zweifelte deßhalb nicht, daß hier die Vorſehung ſelbſt Zeugniß ablege von der Schuld des Verurtheilten, welchen der Pöbel in Stücke zerriſſen haben würde, wenn er hätte an ihn kommen können. Inzwiſchen wurden alle Mittel, ſelbſt das glühende Scheit nicht ausge⸗ nommen, verſucht, um die Thiere wieder in Gang zu bringen. Eines der Pferde hatte ſeine Stränge losgeriſſen, das andere aber legte ſich be⸗ dächtig zu Boden und wollte nicht von der Stelle. Mr. S— wurde da⸗ her zum Ausſteigen aufgefordert und gehorchte mit blaſſem Geſicht und wankendem Tritte, obſchon man zugeben muß, daß er im Ganzen mit ziemlicher Ruhe ſeinen letzten Gang machte.

Die gehoffte Begnadigung blieb aus, und als er die verhängnißvolle Leiter hinanſtieg, ſchien er ſich in ſein Schickſal gefunden zu haben. Er überſah das Gedränge und mochte in demſelben Angehörige ſeiner Familie erkennen, deren Gegenwart ſeinen Entſchluß kräftigte.— Jetzt näherte ſich ihm der Kaplan und bat ihn, am Rande der Ewigkeit die Wahrheit

zu bekennen. S— betheuerte abermals ſeine Unſchuld. Nun zog ſich alles zurück, bis auf den Unter⸗Sheriff und den Henker, und dem Ver⸗

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