Die Roſe von Erin.
Von
C. Groß.
Unter dieſem Titel rührt gegenwärtig eine Benedict'ſche Oper die theaterfreundliche Welt, nachdem dasſelbe Thema in Gerald Griffins Be⸗ arbeitung,„die Collegianer“ überſchrieben, als Roman die emfindſamen Herzen erſchütterte und als Drama aus Dion Boucicaults Feder in Lon⸗ don über dreihundert Abende nach einander die Räume des Adelphi⸗ theaters füllte, ſo daß gegenwärtig in der Hauptſtadt Englands faſt jedes Kind„die Collin Bahn“ kennt. Dem ſo betitelten Drama, das auch den Text für die Oper geliefert hat, liegt eine wahre Geſchichte zu Grund; nur iſt bet der dramatiſchen Behandlung mächtig weit von der Wahrheit abgegangen worden, ſofern das arme Bauernmädchen, das wir als„Roſe von Erin“ auftreten ſehen, leider wirklich ermordet wurde und der Held des Stückes, ein der hohen Geſellſchaft angehöriger Ausbundſchurke, ſammt ſeinem Diener die wohlverdiente Strafe fand. Die Novelle Griffins reicht nicht aus zu Zurechtlegung des wahren Sachverhalts, da er ſie ſchon zehn oder fünfzehn Jahre nach dem Morde herausgab und, um die Gefühle von damals noch lebenden angeſehenen Verwandten des Schul⸗ digen zu ſchonen, vieles ändern mußte. Dieſelbe Rückſicht veranlaßt auch meinen Gewährsmann, über manche Einzelnheiten des Falles wegzugehen und namentlich die Motive, die zu der ſchrecklichen That führten, zu ver⸗ ſchweigen.
Eine ausführliche Darlegung würde die Namen von zwei edlen Familien compromittiren, die natürlich in keiner Weiſe bei dem Ver⸗


