124 Auch eine Entführung.
raſch fahrendes Gefährt verurſacht ſein kann. Ich wette, das ſind meine ſehr Leute!“ betr Immer näher kam die Staubwolke und nach einigen Minuten ſchon Ver konnte Herr Streck erkennen, daß es allerdings ſein Cabriolet war, das wor ſich dem Garten näherte. Auch Herrn Guſtav erkannte er deutlich. Doch doch wer war die Dame,, die ſich tief verſchleiert an deſſen Seite befand? Sie 6 kam ihm ſo bekannt vor, und doch kannte er ſie nicht. Der fatale Schleier mar verhüllte auch ſo gänzlich ihr Geſichtchen!— Jetzt war das Cabriolet Mo 4 beim Gartenpavillon angelangt, und das junge Paar ſtieg aus. Freund⸗ Ale lich kam ihm der Großhändler entgegen. Wer nur die Dame war? Er* mußte ſie kennen, zu bekannt ſchien ihm die ſchlanke Geſtalt!— Jetzt war 5, V er bei den Leutchen angelangt, und eben wollte er ſie beglückwünſchend mit empfangen, als die Dame ſich plötzlich von dem Arme ihres Begleiters ſor losmachte, mit ausgebreiteten Armen auf den Großhändler zueilte und 6t
mit von Schluchzen unterbrochener Stimme ſtammelte:„Verzeihung— theu— rer Va— ter!“ Himmel, was war das? Herrn Streck ward plötzlich zu Sinn, als ſch ſei er vom Schlage getroffen. Wie verſteinert ſtand er da, vor ſeinen be 1 Augen ſchimmerten alle Regenbogenfarben und ſchlaff hingen ihm die dt Arme am Leibe nieder, indeß ſeine Tochter ſchluchzend an ſeinem Herzen 2 lag, und Herr Guſtav ihn mit einer wahren Armenſündermiene anblickte. 6 Endlich löste ſich die Starrheit des Kaufmanns und leiſe, faſt traurig 3 ſprach er:„Ich bin von euch ſchmählich hintergangen. Nimmer hätte ich ri das von euch erwartet. Doch verlieren wir dieſerhalb hier kein Wort 8
weiter. Folgt mir zur Stadt, damit wir uns dort wegen dieſer Ange⸗ G legenheit arrangiren können. Wir müſſen uns trennen, das iſt gewiß!“ d — Ein heftiger Thränenſtrom drang aus Roſa's Augen, und bebend 8 ſprach ſie:—„O mein Vater, es blieb uns ja kein anderer Ausweg, 1 um der drohenden Heirath mit dem Sohne deines Geſchäftsfreundes zu R 3 entgehen. Verzeih' uns darum!“—„Warum vertrautet ihr euch mir d nicht an? Warum waret ihr nicht offen gegen mich?“ lautete die vor⸗
wurfsvolle Entgegnung des Kaufmanns.„Wer weiß, was geſchehen
wäre! Aber ſo liſtig mich zu hintergehen! Nein, das kann ich euch
nimmer vergeben!“ „Aber, Herr Principal, Sie riethen uns ja ſelbſt dieſen Ausweg an. Wir wären niemals darauf gekommen,“ fiel Guſtav, der ſich bis jetzt


