Jahrgang 
3 (1863)
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Von Adolph Beneke. 123

Zimmer und ſich an die beiden Liebenden wendend, ſprach er:folgen Sie mir jetzt zur heiligen Handlung in die Kirche, meine Lieben! Es iſt alles bereit.

Man kam ſeiner Aufforderung nach, und nach einer Viertelſtunde waren Herr Guſtav Emold und Fräulein Roſa Streck für dieſes Leben verbunden. Freundlich nahmen die Beiden darauf von dem Pfarrer Ab⸗ ſchied, der des Himmels Segen auf ſie herabflehend, ihnen Beiden herzlich die Hand reichte und ſich ſodann wiederum in ſein Studirzimmer begab, um die durch die Trauung unterbrochene Vorbereitung auf die Predigt fortzuſetzen, während das junge Paar das Cabriolet beſtieg und durch die im hellſten Sonnenſchein daliegenden Felder der Reſidenz zufuhr.

Die Thurmuhr zeigte die zwölfte Stunde an, als der Großhändler Herr Streck ſein Comptoir verließ und ſich durch einen Fiaker nach ſeinem vor dem Thore der Stadt liegenden Garten fahren ließ. Bald befand er ſich an Ort und Stelle und eine Manilla⸗Cigarre anzündend, ging er auf den in gutem Stande erhaltenen Kieswegen auf und nieder. Nur von Zeit zu Zeit betrat er die auf einer künſtlichen Anhöhe geſchmackvoll angelegte Laube und blickte, ſeine Hand gegen die Sonnenſtrahlen über die Augen haltend, auf die an ſeinem Garten vorbeiführende Land⸗ ſtraße.

Am heutigen Morgen nun hatte die bekannte Entführung ſtattge⸗ funden. Der junge Mann war mit ſeiner Geliebten und dem Briefe des Kaufmanns in deſſen Cabriolet nach Bramloh zur Trauung abgefahren, und der Großhändler erwartete jetzt das junge Paar, um dasſelbe mit den Eltern der Gattin auszuſöhnen.

Hm, hm, begann Herr Streck, indem er eine zweite Cigarre an⸗ zündete und wiederum die Straße hinunterſchaute,die Leutchen laſſen lange auf ſich warten. Bin ordentlich neugierig, das junge Frauchen kennen zu lernen! Wer es wohl ſein mag? Hab' gar keine Ahnung davon! Wüßte in der That auch keine junge Dame meiner Bekanntſchaft, die Guſtav ausgezeichnet hätte! Wer es wohl ſein mag? Na, werd's ja wohl bald genug erfahren. Und täuſche ich mich nicht, ſo ſehe ich da hinten auf der Straße eine Staubwolke aufwirbeln, die nur durch ein