Jahrgang 
3 (1863)
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Von Adolph Beneke. 121

zu ſprechen wünſche, die keinen Aufſchub leide, und daß ſie dem Seelſorger deshalb von ſeiner Anweſenheit Kunde geben möge. Mit einem miß⸗ fälligen Brummen leiſtet die Magd der Aufforderung Folge, um bald mit der Meldung zurückzukehren, daß die Herrſchaften von dem Pfarrer erwartet würden. Der Herr und die Dame betreten das Studirzimmer des Geiſtlichen, der ſie, freundlich begrüßend, zum Sitzen einladet.

Sie haben mich dringend zu ſprechen gewünſcht, mein Herr? be⸗ ginnt der Pfarrer.So iſt es, Herr Paſtor!Ich ſtehe ganz zu Ihrer Verfügung. Reden Sie, ich bitte darum.Herr Paſtor, dieſer Brief hier wird Ihnen nähere Auskunft über mein Anliegen geben; mit dieſen Worten nimmt der junge Mann ein Schreiben aus ſeiner Brieftaſche und überreicht dasſelbe dem Geiſtlichen.

Dieſer erbricht dasſelbe, um es einer Durchſicht zu unterziehen. Beim Leſen blickt er einige Male überraſcht auf. Bald iſt er von dem Inhalte des Schreibens vollſtändig unterrichtet und dieſes dem Herrn zurückgebend, ſpricht er:Durch dieſen Brief erſucht mich mein Freund, der Großhändler Streck, Sie, mein Herr, und Sie, meine Dame, ohne zuvoriges Aufgebot ungeſäumt durch den Segen der heiligen Kirche zu verbinden, ſchreibt mir jedoch dabei kein Wort über die Gründe, die ihn zu dieſem eigenthümlichen Wunſche veranlaſſen. Theilten Sie mir wohl ſolche Gründe mit?Hochwürdiger Herr, erlaſſen Sie uns Herrn Streck und mir dieſelben bis morgen. Seien Sie indeß überzeugt, daß Sie durch Erfüllung des Wunſches Ihres Freundes keiner unrechten Handlung Vorſchub leiſten. Die dringendſten Umſtände nur veranlaſſen uns zu der Bitte, die Trauung ohne Aufgebot und ſofort zu vollziehen.

Sinnend ging der Pfarrer einige Male im Zimmer auf und nieder. Wenn er ſich auch ſagen mußte, daß er durch die Trauung ohne Aufge⸗ bot ſich einer geſetzwidrigen Handlung ſchuldig machte, ſo mußte er ſich doch auch zugleich bekennen, daß er dem Großhändler Streck, mit dem er ſchon auf dem Gymnaſium befreundet geweſen, zu großer Dankbarkeit verpflichtet war. Deſſen Eltern ſchon hatten ſeine Mutter, eine arme Wittwe, die allein auf ſich und ihrer Hände Arbeit angewieſen war, unterſtützt, und als dieſe raſch nach einander geſtorben waren, hatte es der junge Streck für ſeine Pflicht gehalten, ſich auch ferner ſeiner und ſeiner Mutter anzunehmen. Als Sondheim dann das Gymnaſium verließ, hatte er wiederum nur Herrn Streck es zu verdanken, daß er die Uni⸗