Jahrgang 
3 (1863)
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120 Auch eine Entführung.

dann meine Sache. Hahahaha, ich freue mich wie ein Kind auf die Ge⸗ ſchichte. Das wird ein capitaler Spaß! Was der betrogene Papa für Augen machen wird! Hahaha!Ja, was der für Augen machen wird, wiederholte Herr Guſtav mechaniſch.

So etwa, wie Sie eben, ſagte Herr Streck in der beſten Laune von der Welt.Ich ſeh's, Sie ſind beſtürzt über meinen Einfall ja, mein Lieber, Unſereiner hat auch ſeine Einfälle hm, jung geweſen, Lecture! Hm, kommt bei dem Geibel auch ſo was vor? Dieſer gut⸗ müthige Spott brachte den Jüngling wieder vollends zu dem zurück, was ihm zunächſt am Herzen lag.

Ich kann mich noch gar nicht faſſen, Herr Principal, ſprach er tief Luft ſchöpfend, aber ſchon völlig mit ſich einig.Zu überwältigend wirkt dies alles auf mich ein. Vor wenigen Minuten noch ſtand die Erreichung meines innigſten Wunſches in ſo weiter, grauer Ferne und nun kann ſich derſelbe ſchon in einigen Tagen verwirklichen! Wie mich das glücklich macht! Wie kann ich Ihnen je dafür danken, Herr Princi⸗ pal?Na, na, wie geſagt, ſparen Sie Ihren Dank nur bis dahin, daß alles geſchehen. Doch jetzt, lieber Guſtav, verlaſſen Sie mich. Ich habe noch, wie mir eben einfällt, einen Brief zu ſchreiben, der noch heute expedirt werden muß. Herr Guſtav ging, um ſich ſofort zu Roſa zu begeben, mit der er eine faſt ſtundenlange Unterredung hatte.

Acht Tage ſind nach dem eben beſchriebenen Auftritte verfloſſen. Der Pfarrer Sondheim im Dorfe Bramloh ſitzt in ſeinem Studirzimmer und bereitet ſich auf die Predigt für den nächſten Sonntag vor, dabei gemüthlich ſeine Pfeife rauchend. Er muß in ſeiner Arbeit ſehr vertieft ſein, daß er nicht einmal hört, wie ein Cabriolet eine höchſt ſeltene Erſcheinung in Bramloh vor die Pfarrwohnung fährt.

Ein Herr und eine Dame verlaſſen dasſelbe. Erſterer übergibt einem gaffenden Bauernjungen die Zügel zum Halten und betritt ſodann mit ſeiner Begleiterin das Pfarrhaus. Von der Magd hat er bald er⸗ kundet, daß der Paſtor Sondheim ſich auf ſeinem Studirzimmer befindet und ſich jetzt gewiß höchſt ungern ſtören laſſen wird. Doch der Herr macht der Dienerin bemerklich, daß er den Pfarrer in einer Angelegenheit

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