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Von Adolph Beneke. 119
Jetzt wirklich beſtürzt blickte der Buchhalter den Kaufmann an, und etwas verletzt ſprach er ſodann:„Es iſt nicht recht von Ihnen, Herr Principal, über eine ſo wichtige Angelegenheit zu ſcherzen!“—„Scherzen, Herr Guſtav? Wer ſagt Ihnen, daß ich ſcherze? Fällt mir gar nicht ein. Meine Rede iſt voller Ernſt, und ich will Ihnen bei der Entführung ſogar behülflich ſein.“—„Sie, Herr Principal?“—„Freilich, Herr Guſtav!“—„Aber auf welche Weiſe?“ rief der junge Mann immer überraſchter.
„Hören Sie! Wie Sie mir ſagen, iſt Ihre Geliebte die Tochter eines Kaufmanns hier in der Stadt. Nun kenne ich die hieſige Kauf⸗ mannſchaft ſehr gut und ſtehe mit derſelben ſo, daß es mir gewiß nicht ſchwer fallen wird, den Vater des Mädchens nach geſchehener Entführung wieder zu verſöhnen. Daß mein Name bei der ganzen Geſchichte nicht genannt wird, verſteht ſich von ſelbſt, da mich dieſelbe doch vielleicht etwas compromittiren könnte, was ich nicht wünſche. Daß ich ferner, ſind Sie erſt verheirathet, Ihr Salair erhöhe, damit Sie ſtandesgemäß leben können, verſteht ſich gleichfalls von ſelbſt.— Bitte, bitte, keinen Dank! Den ſparen Sie auf bis erſt alles gelungen. Jetzt aber zur eigentlichen Entführung. Glücklicherweiſe brauchen Sie in jetzigen Zeiten dieſerhalb keine Burgmauern zu erklimmen, oder ſonſtige derartige hals⸗ brechende Kunſtſtücke vorzunehmen; jetzt geht's mit derartigen Geſchichten leichter. Die Geliebte wird unter irgend einem Vorwande das Haus ihrer Eltern eines ſchönen Morgens verlaſſen und ſich nach meinem Garten⸗ Pavillon begeben. Dort erwarten Sie dieſelbe mit meinem Cabriolet. Sie beſteigen daſſelbe und fahren mit ihr über die Grenze in den Nach⸗ barſtaat, nach dem zwei Stunden von hier entfernten Dorfe Bramloh, woſelbſt Sie ſich von meinem alten Freunde, dem Pfarrer Sondheim, trauen laſſen werden. Damit dieſer deshalb keine Weitläufigkeiten macht — was ich übrigens, da er im Nachbarſtaate wohnt, nicht einmal glaube — werde ich Ihnen für denſelben einen Brief mitgeben, durch den ich ihn erſuche, ohne Aufgebot die Trauung zu vollziehen, mit der Bemerkung, wie ich Sorge tragen würde, daß ihm dieſe Handlung keine Unannehm⸗ lichkeiten bereiten ſollte. Er wird, wie ich ihn kenne, ſich gewiß nicht ſträuben, meinen Wunſch zu erfüllen. Sind Sie dann getraut, ſo beſteigen Sie das Cabriolet wieder und kehren heim. Ich werde Sie bei dem Pavillon erwarten, und das Weitere, die Verſöhnung mit dem Alten, iſt


