116 Auch eine Entführung.
noch viele andere Nachläſſigkeiten zu Schulden kommen laſſen, die ich von Ihnen am wenigſten erwartet hätte.“—„Verzeihen Sie dieſelben, Herr Principal, und nehmen Sie die Verſicherung, daß es mein eifrigſtes Be⸗ ſtreben ſein wird, für die Folge meinen Pflichten ſo pünktlich und genau, wie nur möglich, nachzukommen,“ war die bittende Entgegnung des jungen Mannes.
„Soll mich freuen, Herr Guſtav, ſoll mich recht freuen. Aber ich wäre doch begierig, den Grund Ihrer Nachläſſigkeiten kennen zu lernen. Sie werden doch irgend eine Enſchuldigung haben? Seien Sie offen, junger Mann! Sie wiſſen ja, daß ich's ſo gut mit Ihnen meine.“— Der Buchhalter ſtammelte etwas von Unwohlſein und Schwäche.—„Ach, binden Sie das doch einem Andern auf!“ fiel der Kaufmann dem jungen Mann in's Wort.„Aufrichtig, Guſtav, ſeien Sie mir gegenüber auf⸗ richtig. Ich glaube faſt, es iſt ein Kummer, der Sie niederdrückt. Er⸗ leichtern Sie darum Ihr Herz. Vertrauen Sie mir. Wer weiß, vielleicht kann ich helfen.“— Herr Guſtav blieb ſtumm.—„Am Ende ſind's Schulden, die Sie drücken?“ fragte der Großhändler.— Der Buchhalter ſchüttelte den Kopf.—„Oder haben vielleicht einen dummen Streich ge⸗ macht?“— Der Buchhalter machte eine heftig verneinende Bewegung.— „Na, zum Henker, was iſt's denn? Sind Sie am Ende gar verliebt? Hoho, wie Sie erröthen junger Mann! Alſo das iſt's! Warum haben Sie mir das denn nicht gleich geſagt? Heraus mit der Sprache!“
Erregt blickte Guſtav bei ſolchen Worten des Kaufmanns auf. In ſeinem Innern ging in dem Augenblicke viel vor. Konnte ſich wohl eine günſtigere Gelegenheit, ſeine Werbung anzubringen, finden? Der Groß⸗ händler kam ihm ja auf halbem Wege entgegen! Wohl hatte ihm Roſa die ſtrengſte Weiſung ertheilt, noch zurückzuhalten. Doch befolgte er dieſe Vorſchrift, ſo konnte er möglicher Weiſe dadurch den beſten Augenblick verſäumen und die Erreichung ſeines Wunſches in weite, weite Ferne ſchieben. Nein! Wie die Sachen jetzt lagen, hielt es der junge Mann ſogar für ſeine Pflicht, mit ſeiner Werbung hervorzutreten. Doch ſchien es ihm nicht ungerathen, dabei die größte Vorſicht zu beobachten, um noch zeitig genug zurückhalten zu können, ſollte er bemerken, daß der Großhändler einer Verbindung der jungen Leute nicht geneigt ſei.
„Na, Herr Guſtav, heraus mit der Sprache!“ unterbrach der Groß⸗ händler die Betrachtungen des jungen Mannes, und mit bewegter Stimme
begann —„
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