114 Auch eine Entführung.
möchte. Spielmaier Senior meint nun bei ſeinem vorigjährigen Hierſein in dir, mein Kind, die Eigenſchaften entdeckt zu haben, die ſeinen Sohn glücklich machen könnten, und hält deßhalb bei mir für dieſen förmlich um deine Hand an.“— Raſch hatte ſich Roſa bei ſolchen Worten er⸗ hoben und beſtimmt ſprach ſie, indem ihr Antlitz in Aufwallung erglühte: „Die ich dem jungen Manne nimmer reichen werde.“
Faſt erſchreckt über ſolch' entſchloſſene Rede blickte Herr Streck auf, indem er ſprach:„Und weßhalb nicht, Kind?“—„Wie, du fragſt noch? Bin ich denn ein Handelsartikel, über den ein Kaufmann mit dem andern brieflich in Verbindung tritt?“—„Röschen, Röschen, nicht ſo heftig! Ich bin ja noch gar nicht zu Ende. Laß mich doch erſt ausreden. Sieh, Kind,“ fuhr der Alte fort,„Spielmaier Senior meint, ſein Sohn könne auf einige Zeit in mein Geſchäft treten, damit dir dadurch Gelegenheit geboten werde, ihn kennen zu lernen.“—„Vater, ich bitte dich, welch' peinliches Verhältniß würde dies für uns Beide ſein!“—„Ach paper⸗ lapapp! Peinliches Verhältniß? Vielleicht für die erſten acht Tage! Das würde ſich bald geben.“—„Glaube das nicht, Väterchen.“—„Höre zmal, Röschen! Faſt ſcheint es mir, als wär's eine reine Mädchenlaune, die dich in dieſer Angelegenheit leitet.“—„Gewiß nicht, Papa.“— „Na, was iſt's denn?“—„Ich kenne den jungen Mann nicht und ſehe nicht ein, auf welche nicht unzarte Weiſe dies zu bewerkſtelligen wäre.“ —„und das iſt der einzige Grund, Roſa, der dich abhält, dem Geſuche zu willfahren?“—„Ja, Vater!“ entgegnete die Tochter, und ihre Stimme zitterte ein wenig.
„Na, dann denke ich wird noch alles gut, Kind. Ich kenne den jungen Spielmaier und kann dir die Verſicherung geben, daß es ein höchſt liebenswürdiger Mann iſt. Er ſteht ſo in dem richtigen Heirathsalter— na, erſchrick' nur nicht, Kind! Alt iſt er nicht zu nennen, nur die Raſe⸗ jahre liegen hinter ihm— hat etwas gelernt, beſitzt dazu ein gefälliges Weſen, und ich bin überzeugt, nach wenigen Tagen eurer Bekanntſchaft wirſt du ſchon ſtark in ihn verſchoſſen ſein. Ja, ja,“ ſuhr der Alte lachend fort,„ſo wird's kommen, gewiß, gewiß! Muß jetzt nur nach⸗ ſinnen, auf welche Weiſe wir es fein anfangen, daß ihr euch kennen lernt. Na, ich denke ja, es wird mir ſchon bald ein guter Gedanke kommen. Doch was höre ich, da ſchlägt's ſchon zehn Uhr! Himmel, da müßte ich
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