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Von Adolph Beneke. 111
peinlichen Ungewißheit, ob ich dich je mein nennen werde, zu ſchweben, iſt mir unmöglich. Die nächſte paſſende Gelegenheit— und böte ſich dieſelbe mir noch heute— werde ich wahrnehmen und vor deinen Vater mit der Bitte treten, unſere Liebe zu ſegnen.“—„Das wirſt du nicht thun, Guſtav,“ entgegnete beſtimmt das junge Mädchen,„denn damit würdeſt du alles verderben.“
Der junge Mann wollte etwas entgegnen, als man auf dem Corridor Schritte vernahm, die Thür ſich öffnete und der Hausherr auf der Schwelle ſichtbar ward. Der Großhändler machte im Ganzen einen würdigen Ein⸗ druck. Das Haupt trug noch den vollen Haarſchmuck, wenn derſelbe auch ſchon eine graue Färbung angenommen, die hellen blauen Augen blickten friſch in die Welt, der etwas ſinnliche Mund und das Unterkinn ließen den Freund irdiſcher Genüſſe erkennen, während die geſunde Geſichtsfarbe und die etwas gedrungene Geſtalt mit dem mäßigen Bäuchlein, dem Manne ein recht behäbiges Anſehen verliehen.
„Ei, ei, Herr Guſtav, nicht im Comptoir?“ ſprach der Großhändler verwundert, indem er einen fragenden Blick auf den Jüngling warf.— „Verzeihung, Herr Principal, ich— wollte— ich— hatte— ich—.“— „Nun, nun?“ fragte ſchärfer Herr Streck.—„Herrn Guſtav, lieber Vater,“ nahm Roſa hier das Wort,„hatte ich vor einigen Tagen um Geibels Gedichte, die ſich in ſeinem Beſitze befinden, gebeten, und ſoeben war er ſo gütig, mir dieſelben zu überbringen.“—„So ſo, Herr Guſtav! Alſo man liest Geibels Gedichte?“—„Ich verehre dieſelben, Herr Prin⸗
cipal,“ entgegnete warm der junge Mann.—„Sollten lieber den Waaren⸗ tarif verehren! Wäre viel nützlicher.“—„O Papa!“ ſprach Roſa.— „Herr Principal!“ rief Guſtav.— Dieſer beachtete die Ausrufe nicht
weiter, ſondern fuhr ruhig ſort:„Unten im Comptoir, Herr Guſtav, werden Sie einen Brief vom Hauſe Spielmaier und Söhne in Neuhaus finden, in dem dasſelbe uns eine recht acceptable Thranofferte macht. Beantworten Sie das Schreiben ſofort und erſuchen Sie, uns dreißig Fäſſer zu ſenden. Wenn ich nachher hinunter komme, möchte ich Ihren Brief auf meinem Pulte finden“— Herr Guſtav empfahl ſich, und Vater und Tochter fanden ſich allein.
„Hähähä,“ lachte Erſterer,„der Thranbrief wird den jungen Menſchen von ſeiner Geibelſchwärmerei etwas abbringen. Liebe es überhaupt nicht, wenn ein Kaufmann ſich mit Poeſie beſchäftigt, gehört nicht mit zum


