Jahrgang 
3 (1863)
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Auch eine Entführung.

Novelette

Von Adolph Beneke.

An einer der ſchönſten und lebhafteſten Straßen der norddeutſchen Stadt B., dem ſogenanntenWalle, liegt das Haus des Großhändlers Streck, ein Hans, welches ſich durch prächtige und doch geſchmackvolle Bauart vor den übrigen Gebäuden dieſer Straße auszeichnet, und dem man anſehen kann, daß der Beſitzer desſelben keine Koſten ſcheut, um den erſten Platz, den ſein Haus amWalle nun einmal einnimmt, auch zu behaupten.

Es war an einem ſonnigen Frühlingsmorgen des letztverfloſſenen Jahrs, als Roſa, die Tochter des Großhändlers, an dem Fenſter eines der ſtraßenwärts gelegenen Gemächer dieſes Hauſes ſaß und ſich emſig mit einer zarten Stickerei anſcheinend der einer Cigarrentaſche be⸗ ſchäftigte. Roſa war ein hübſches Kind, das mußte ihr ſelbſt der Neid laſſen. Die kaſtanienbraunen Haare, die ſich wellenförmig um die rein⸗ weiße Stirn legten, die mandelförmigen dunkeln Augen, die zartange⸗ hauchten Wangen, das feingeſchnittene Profil, der kleine roſige, zum Küſſen einladende Mund und das Grübchen im Kinn mußten den ſtrengſten Schönheitsrichter befriedigen, indeß die ganze übrige Geſtalt des jungen Mädchens ſelbſt von einem Bildhauer tadellos genannt werden konnte.

Leiſe ſummte Roſa die Melodie eines neuen Liedes und wollte eben wieder einen Seidenfaden einfädeln, als die Thür des Gemaches raſch