Jahrgang 
3 (1863)
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Von Ida von Düringsſeld. 107

den wir thun? Heilige Jungfrau, was werden wir thun? Der Vater antwortete:ihn lieben, mag es nun helfen oder nicht. Sie liebten ihn, geduldig, unerſchütterlich, bald hoffnungsvoll, bald hoffnungslos, aber es half nicht er war gezeichnet und verloren.

Länger als einen Monat mußte ihn Girolamo als ſeinen Schatten dulden. Schritt vor Schritt folgte er dem Freund, den er ſeinen Schutz⸗ geiſt nannte, in der Nacht noch hielt er ſeine Hand. Auf einmal ver⸗ mied er ihn aber ebenſo auffallend, wie er bis dahin an ihm gehangen hatte. Die Urſache von dieſer plötzlichen und vollſtändigen Veränderung hat er nie angeben wollen. Er ſuchte jetzt eifrig die Geſellſchaft der Dominikaner, mit denen er über theologiſche Schwierigkeiten mit einer Gewandtheit disputirte, die ſie in Erſtaunen ſetzte. Vom Meere hielt er ſich ſorgfältig entfernt, die Kinder wurden, ohne daß ſie es wahrnahmen, vor ihm gehütet. Die Seinen fürchteten, daß dem phantaſirten Ver⸗ brechen ein wirkliches folgen könnte. Uebrigens gaben ſie ihn jetzt auf. Nur darüber waren ſie noch ungewiß, ob ſie ihn einer Heilanſtalt anver⸗ trauen oder ſeinen Wahnſinn fernerhin in der Familie verbergen ſollten. Sie kamen endlich zu dem Entſchluſſe, ſo lange es möglich wäre, das Letztere zu thun. Noch war bisher nämlich nichts von Antonio's Zuſtand laut geworden. Er hütete ſich in Gegenwart Anderer vor allen Aeuße⸗ rungen, die ihn verrathen konnten, ſelbſt die Dominikaner glaubten noch immer mit einem Vernünftigen zu disputiren. So kam der April heran.

An einem Tage in der Mitte dieſes Monats kam Antonio zum Sakriſtan des Kloſters und bat dringend: es möchten ihm ſofort ſechs Meſſen geleſen werden. Auf die Antwort, ſo viel ſeien heute nicht mög⸗ lich, ſagte er:wohl, ſo ſinge man mir wenigſtens eine, die andern fünf, wenn es geht, aber heute wenigſtens eine, aus Barmherzigkeit, wenig⸗ ſtens eine!

Es geſchah, wie er verlangte er wohnte der Meſſe bei. Dann ſahen ihn Mehrere, wie er jeden Armen, den er antraf, mit Sllbergeld beſchenkte. Den übrigen Tag machte er Beſuche und war ſehr geſprächig und lebhaft. Zu Mittag hatte er ſich bei einem entfernten Verwandten geladen, zu Abendeſſen kam er nach Hauſe. Er nahm daran Theil und ſchien heiterer als ſeit lange. Nachdem man aufgeſtanden, ſagte er, der Pater Fertilio von den Dominikanern in Spalato ſei angekommen und er wünſche noch dieſen lieben Bekannten zu ſehen. Ohne Argwohn ließen