Jahrgang 
3 (1863)
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106 Zwei Sibenzaner.

„Toni, was ſiehſt du denn meinen Checco ſo an?“—„Ich denke, daß es doch ſehr traurig wäre, wenn er auch ſo verloren ginge, wie der Nico.“

Dieſe Antwort ſchrillte ſo unheimlich in das trauliche Familienge⸗ ſchwätz hinein, wie der Ton eines zerſpringenden Glaſes in den Jubel eines Toaſtes. Maria verließ den Tiſch, die Mutter ſah ſchmerzlich über⸗ raſcht auf den Sohn, der Alte zog ſehr mißbilligend ſeine Stirnfurchen zuſammen.— Antonio zupfte den Freund am Aermel und ziſchelte angſt⸗ voll:„Sag's ihnen doch, daß nicht ich es will, ſondern der Dämon.“— „Was ſagt er, Mome?“ fragte die Mutter.

Antonio faltete die Hände und ſprach mit einem unbeſchreiblichen Tone von Kindlichkeit und Wehmuth: nes iſt ja nicht meine Schuld!“ Dann ſtand er auf und ging mit Thränen in den Augen vor die Thur des Eßſaales. An die ſchmiegt' er ſich, als wäre ſie ein Zufluchtsort. „Girolamo, ich warte auf dich!“ rief er ſchüchtern in den Eßſaal hinein.

„Mome, was iſt es mit ihm!“ fragten beide Eltern.— Mit einem Blicke auf die Kinder berührte Girolamo leiſe ſeine Stirn.— Der Alte ſaß einen Augenblick wie vom Blitz gerührt. Dann faßte er ſich, doppelt ſtark, wie er von Natur und durch die Religion war.„Nehmt Euch Obſt und geht ſpielen,“ ſagte er zu den Enkeln. Sie wunderten ſich, griffen aber darum nicht minder tapfer zu und eilten in den obern Stock hinauf. Antonio wich erſchrocken zurück, als ſie an ihm vorüberſprangen.

Unterdeſſen antwortete Girolamo auf die entſetzten Blicke, die fragend auf ihm ruhten:„Ich hätt' es euch gern noch verſchwiegen— ich ſehe, es kann nicht ſein— laßt mich bei ihm bleiben— er wünſcht es— umgeben wir ihn mit aller unſerer Liebe, vielleicht, daß es uns noch ver⸗ liehen iſt, ihn zu retten— er war ſchon einmal krank und iſt wieder geneſen, vielleicht thut Gott zum zweiten Male ein Wunder. Aber weint nicht, Signora Cattina, daß er es ſehen kann.“— Die Mutter hielt ihre Verzweiflung durch ihre Liebe zurück; der Vater ſprach gefaßt:„Sag' uns alles, was er dir geſagt hat.“

Girolamo that es— hier konnte nur die Wahrheit geſagt werden. Der Alte hörte ſie voll kalter Ergebung.„Beugen wir uns unter der Hand des Herrn,“ ſprach er,„ſelbſt wenn ſie uns züchtigt. Ich war zu ſtolz auf ihn. Zerbricht mir dieſer mein Stab, ſo werde ich nicht lange mehr wandern, aber der Wille Gottes geſchehe.“— Die Mutter fragte, unter dem Tiſche auf dem Schooße die Hände ringend:„Aber was wer⸗

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