Jahrgang 
3 (1863)
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Von Ida von Düringsfeld. 105

heilen, das fühlte er demüthig verzagend.— Antonio fragte ſchüchtern: „Darf ich bei Euch bleiben?“—„Ich muß jetzt in die Schule,“ ant⸗ wortete Girolamo.„Wollt Ihr mit hin?“—„ZJa, überallhin mit Euch,“ flüſterte Antonio wie ein ängſtliches, doch ſchon halb beruhigtes Kind.

Antonio ſaß die ganzen drei Stunden geduldig in der Schule, er half Girolamo beim Unterricht. Die Kinder ſtarrten dieſen neuen Ge⸗ hülfen ſehr unverſchämt und verwundert an und ſtritten unter ſich darüber, wie viel wohl der Herr Lehrer ihm bezahlen möge.

Zum Mittageſſen mußte Girolamo ſeinen Schützling nach deſſen Hauſe begleiten.„Ich will kommen, aber ſagt den Euren nicht, warum Ihr mich mit Euch führt,“ ſagte Girolamo.—„Nein, nein,“ flüſterte Antonio eilig und leiſe,„ſie dürfen's nicht wiſſen. Ich werde ſagen, daß— ich dich ſo ſehr liebe, daß ich dich von nun an immer bei mir haben muß.“ —„Immer nicht, Antonio; bedenkt— in der Nacht—.“—„In der Nacht willſt du mich allein laſſen?“ rief Antonio mit unterdrückten Angſt⸗ tönen.„Und wann zieht denn der Dämon mehr als in der Nacht? Nein, nein, in der Nacht darfſt du mich nicht verlaſſen, und wenn du mich verließeſt— wehe dir! Der Dämon würde mich an dir rächen.“

„Antonio, was ſoll ich denn bei Euern Eltern für einen Grund vorbringen, wenn ich mich bei Euch ganz einquartiere?“—„Den Grund, daß ich verloren bin, wenn Ihr es nicht thut,“ murmelte Antonio und klammerte ſich feſt an den Arm des Freundes.—„Wohl, heute Abend werde ich mit der Mutter ſprechen—.“—„Und ſie kann es dann dem Vater ſagen. Ja, ja, mein theurer Girolamo— wir werden miteinan⸗ der ſchlafen wie Brüder.“

Während des Mittags rückte Antonio ſich ſo dicht wie möglich an Girolamo, deſſen Erſcheinen auch ohne Einladung weiter keiner Erklärung bedurfte. War er doch im Hauſe Bebigne wie in dem ſeines eigenen Vaters. Der alte Nicolo war im Gegentheil äußerſt zufrieden, ſo unver⸗ muthet ſeinen zweiten Sohn zu ſehen, wie er Girolamo gern nannte. Girolamo that ſein Möglichſtes, um den Alten ſo zu unterhalten und zu beſchäftigen, daß er nicht die ſonderbar ſtarren Augen ſehen möchte, mit denen Antonio den älteſten ſeiner drei überlebenden Neffen unverwandt betrachtete. Was jedoch der Großvater nicht bemerkte, das bemerkte die Mutter. Beklommen, ſie wußte nicht warum, fragte ſie den Bruder: