Jahrgang 
3 (1863)
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Zwei Sibenzaner.

ja nicht aus dem Hauſe gegangen?“—„Glaubt Ihr denn, man könne nur mit der Hand vom Ufer in das Meer ſtoßen? O nein, man kann es auch mit dem Geiſt, wenn man einen ſolchen Geiſt hat wie ich,“ ſetzte er ſich aufblähend hinzu.

„Und warum hättet Ihr denn das an Euerm Liebling gethan?“— „Eben weil Nico mein Liebling war, deswegen wollte mein Dämon ihn haben. Seht, mein Dämon iſt im Meer— Ihr habt geglaubt, die Teufel wohnen bloß in den Flammen? Darin habt Ihr Euch geirrt, ſie wohnen auch im Meer. Wenn das Meer leuchtet, ſo ſind das die Funken, die aus ihren Augen ſprühen. Mein Teufel hat ſchöne dunkle Augen, ſchwarzblau, wie das Meer vor dem Scirocco iſt. O was für furchtbar ſchöne Augen das ſind! Das Angeſicht ſchwamm auf dem Meere wie ein Mond aus einem andern Himmel. Das Angeſicht war mir zugewandt und die Augen ſahen mich ſo mächtig⸗fordernd an, und da gab ich ihm das Kind.“—„Nein, nein, Antonio, Ihr habt es nicht gethan, ich weiß ja, daß Ihr es nicht thun konntet.“—„Ich ſagte Euch, nicht ich, aber mein Geiſt.“—„Liebtet Ihr denn den Nico nicht?“—„Ihn nicht lie⸗ ben? Unermeßlich! Wer hätte den Knaben nicht lieben ſollen? Der Dämon ſelbſt liebte ihn ja.“

Er blieb bei dieſer Einbildung von einem myſtiſchen Opfer, welches er in dem Kinde ſeinem Dämon gebracht. Der Dämon hatte ihm dafür auf ein volles Jahr Geſundheit und Kraft zum Schreiben gegeben. Jetzt ließ dieſe wieder nach, und auch die Geſundheit fing von neuem an zu ſchwanken. Wenn er, Antonio, am Meer umherirrte, um freiere Luft einzuſaugen und ſich ſo die gepreßte Bruſt auszudehnen, fühlte er aus den Wellen herauf den Athem des Dämons ſteigen. Das ermattete ihn ſo, er wollte gern ſich vom Strand entfernt halten, aber er konnte nicht — ſeine Füße kehrten wider ſeinen Willen dahin zurück, und blieben in den Boden gewachſen, während der Dämon ihn mächtiger und mächtiger anathmete. Da hatte er heute früh während der Meſſe bei den Domi⸗ nikanern die Eingebung gehabt, ſich zu Girolamo zu flüchten. Wenn er mit Girolamo wäre, würde der Dämon nicht die Gewalt haben, ihn an das Meer zu ziehen, und dort war die Gefahr.

„Das ſcheint auch mir ſo,“ ſagte Girolamo ſanft, wenn gleich muth⸗ los. Er dachte:„O Herr, wenn du nicht der Arzt dieſer armen kranken Seele wirſt, wie ſoll es mit ihr enden?“ Er vermochte es nicht, ſie zu

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