Jahrgang 
3 (1863)
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Von Ida von Düringsfeld. 103

hervortreten, als der Katalinich mit der ſeinigen. Girolamo glaubte, fühlte ſich auch vielleicht dem Bruder überflüſſig, und ſo trug er ſeine zärtliche Seele mit allen ihren verſtehenden Echo's zu der Schweſter, welche ſich ihrerſeits ihm inniger und inniger zuneigte, als Troſtbedürftige dem Tröſter, deſſen Theilnahme nie kalt, deſſen Wort nie gedankenlos wurde.—

So war abermals ein Jahr nach jenem einen ſchmerzlichſten Ereig⸗ niſſe ohne andere Schmerzen als die der Erinnerung vergangen. Da kam eines Morgens Antonio zum Freunde. Das war ſchon ungewöhnlich und daher geeignet, Girolamo betroffen zu machen, noch mehr indeſſen ward er es, als er den Freund genauer anſah. Die Unbeſtimmtheit, welche ſich vor Nico's Verſchwinden in ſeinem Geſicht und in ſeinen Blicken gezeigt, war wieder da, nur um Vieles mehr als damals und mit einer gewiſſen Wildheit gemiſcht. Girolamo's Herz zog ſich krampfhaft zuſam⸗ men, der Freund wurde ihm augenblicklich wieder ebenſo theuer, wie er ihm je geweſen,— die Liebe erkennt ſich ſelbſt recht nur, wenn ſie zittert.

Antonio führte den Freund, obwohl ſie ganz allein waren, geheim⸗ nißvoll in eine Ecke des Zimmers und ziſchelte ihm dort in's Ohr:„Ich bin zu Euch gekommen, der Böſe iſt wieder hinter mir, will mich wieder verſuchen— aber hier herein wird er ſich nicht wagen.“—„Er wird ſich nirgends zu Euch wagen, wenn Ihr gegen ihn mit dem Glauben kämpft,“ ſprach Girolamo, der ſich vor der Nothwendigkeit ermannt hatte, gelaſſen zu bleiben und unbefangen zu ſcheinen.—„Mit dem Glauben?“ wiederholte Antonio.„Nein, nein, meiner iſt zu ſchwach— ich muß von Euch borgen.“—„Ich will Euch allen Glauben geben, den ich habe,“ ſagte Girolamo.„Gebietet Eurer Seele, daß ſie ihn nehme.“—„Nein, Ihr müßt ihn für mich haben,“ antwortete der Irrſinnige mit der capri⸗ ciöſen Wandelbarkeit ſeines Zuſtandes;„was hilft es mir, wenn ich ihn auch nehmen wollte? Ich kann ihn nicht anwenden.“—„Wohl, ſo will ich ihn für Euch anwenden— ſagt mir nur, gegen welche Verſuchung?“

„Ich ſoll den Checco in's Meer werfen, wie ich den Nico in's Meer geworfen habe,“ antwortete Antonio mit vollkommener Einfachheit. —„Ihr— Ihr habt den Nico—?“ Girolamo verſtummte.—„Wußtet Ihr das nicht?“ erwiderte Antonio unſchuldig.„Ich dächte doch, ich hätt' es Euch damals geſagt. Nicht? So habe ich es vergeſſen.“—„Aber, Unglücklicher, an dem Tage, an welchem das Kind verſchwand, ſeid Ihr