Von O. Otto. 15
12 verkehrt,— die mit mir in demſelben Hauſe wohnte,“ fügte er nach einer war, kleinen Pauſe hinzu.
inn„Nun, dein Ausſehn iſt ganz vortrefflich,“ ſagte jetzt die Mutter, umn„ein Beweis, daß du dich körperlich und geiſtig ſehr wohl befunden haſt, h in und weiter wünſchen wir ja nichts. Wir haben deine Abweſenheit ſehr ſchmerzlich empfunden, und ich weiß gar nicht, wie es mein Herz ertragen e⸗ ſoll, dich, wenn du erſt auf der Univerſität ſein wirſt, vielleicht im gan⸗ 1n zen Jahre nicht zu ſehen.“—„Und dieſer Zeitpunkt könnte bald ein⸗ bic treten,“ fuhr der Vater nach kurzem Stillſchweigen fort.„Arwed iſt ſo
weit wiederhergeſtellt, daß er von der Reife für die Univerſität Gebrauch machen und dieſe nunmehr beziehn kann, und da im Herbſt das neue Se⸗ meſter in Upſala wieder beginnt, habe ich bereits an einen Freund dort⸗ hin geſchrieben und meinen Sohn bei ihm angemeldet.“— Arwed ſah ſinnend vor ſich nieder und ſchien des Vaters Rede kaum zu beachten;
„ ſeine Gedanken waren wieder auf dem Schiffe, auf dem Nora mit ihrer rraſſ Mutter der Heimat entgegenreiſte, und es war ihm, als tönte wieder ihr 11 Abſchiedswort in ſein Ohr:„Beſuchen Sie uns einmal in Kopenhagen.“ ten Er ſprang heftig vom Stuhle auf und rief:„Weißt du, Vater, daß r ſm ich eigentlich gar keine Luſt habe, in Upſala zu ſtudiren? Ich möchte lie⸗ 5 ſ ber nach Kopenhagen gehen, da bleibe ich euch nahe und kann euch ſtets
in wenigen Stunden erreichen.“—„Nach Kopenhagen, mein Sohn?“ erwiderte der Pfarrer mit verwunderter Miene;„wie kommſt du auf dieſen Gedanken und wie kann es dir einfallen, im Ausland ſtudiren zu wollen? Das würde der Regierung nicht angenehm ſein.“—„Die Regierung kümmert ſich gar nicht darum,“ antwortete Arwed leichthin.„Ich ſoll einmal dein Adjunct im Amte werden, welches unſer Baron Torre zu vergeben und mir bereits verſprochen hat, und dem iſt es ſicherlich ganz gleich, ob ich in Upſala oder in Kopenhagen meine Studien vollende.“— „Aber mir iſt es gar nicht gleich,“ ſagte der Pfarrer gereizt,„ob mein 1h Sohn ſich das Mißfallen der Regierung zuziehn will, indem er eine Aus⸗ ſäan nahme von der allgemeinen Regel macht, nach der unſre Theologen immer in Upſala ſich heranbilden.“—„Wir wollen jetzt nicht darüber ſtreiten,“ 1 ſprach die Mutter ſanft;„komm, Arwed, in den Garten. Du ſollſt ſehen, wie herrlich alles gewachſen iſt und welche reichliche Ernte die Johannis⸗ leeren in dieſem Jahre liefern. Ich habe ſchon recht viel Wein davon
lereitet.“


