Jahrgang 
1 (1862)
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und Sinn lten,

Von Edmund Hoefer. 11

„Als ich im Winter von 1830 auf 31 zur Equitation kommandirt war, ſuchte er mich alsbald auf, denn ſo oder ſo, für ſeine alten Freunde hat er ſich immer noch eine Art von Herz zu bewahren gewußt. Er ließ meinen Vater auf's zärtlichſte grüßen, hieß mich ſeinen zweiten Sohn, was grade nicht ſehr ſchmeichelhaft, da Julius damals als blutjunger Offizier eben einen ganz hübſchen Anfang gemacht hatte, dem Alten nach⸗ zueifern,— und lud mich in ſein Haus ein. Dort war ich denn ziemlich häufig und lernte wunderliche Zuſtände kennen. Es war viel Geſellſchaft und Verkehr im Hauſe; daß dieſelben diſtinguirt und fein geweſen, be⸗ haupte ich nicht; luſtig aber waren ſie. Er hatte die Töchter aus dem Stift zurückbefohlen. Charlotte war damals ſiebzehn Jahre alt und voll⸗ endet ſchön, brünett wie Vater, Mutter und Bruder, ein gutmüthiges, ewigheiteres, leichtlebiges Geſchöpfchen. Luna zählte dreizehn Jahr' und war— ich muß poetiſch werden, wie vorhin der Rath!— allerdings ein Weſen, wie ich nie ſeinesgleichen geſehn,— ſo hinreißend ſüß und duf⸗ tig, ſo unſagbar ſchön und mild, faſt über ihre Jahre, muß ich hin⸗ zuſetzen.

„Die Alte, die Stiefmama mein' ich, verſteht, wo es gilt, das Re⸗ präſentiren. Sie iſt vordem einmal Hofdame bei der Prinzeſſin Auguſt geweſen und durchaus Dame ihrer Zeit— geiſtreich, witzig, pikant, hoch⸗ müthig und frivol, d. h. wie unſre prüde Zeit das auslegt, was dazumal für natürlich galt und was in Wahrheit auch nichts Anderes heißt, als: leben und leben laſſen.— Wovon die Leute eigentlich lebten, iſt mir bis auf den heutigen Tag vollkommen räthſelhaft, es müßte denn ſein, daß man von obenher der Familie hin und wider etwas zufließen ließ. Der Alte beſaß keinen rothen Heller als den er heut Abend etwa gewann, morgen aber ſtets wieder verſpielte; und die Stiefmama wird mit ihren verſchiedenen Penſionen auch nicht alles haben unterhalten können.

„Als ich im Jahre 38., zur Garde kommandirt, wieder dort lebte, traf ich die Dinge im Ganzen wenig anders. Der Alte war noch ein bischen tiefer heruntergeſtiegen und ließ ſich daheim nur ſelten und dann gewöhnlich noch in einem nicht grade erfreulichen Zuſtande und in einer noch weniger erfreulichen Laune blicken. Charlotte war ſeit ſieben Jahren verheirathet und ſollte ein brillantes Leben führen; Luna, die vom fünf⸗ zehnten bis zum achtzehnten in der Familie einer Stifts⸗Freundin, der Tochter des Grafen Landeck gelebt, war ſeit anderthalb Jahren wieder