Von Edmund Hoefer. 9
um das gleich zu erwähnen, an einen Jugendfreund ihres Vaters, einen Grafen Hoven, verheirathet— weßhalb, wage ich nicht zu erklären. Sauber ſind dieſe Dinge ſicher nicht geweſen, denn Harteneck war zu die⸗ ſer Zeit ſchon gänzlich zu Grunde gegangen, und Hoven wurde um 1820 aus dem Dienſt entlaſſen, weil— genug davon! Kurz, er war oder iſt berüchtigt als Spieler, Raufbold, vielleicht noch als etwas Schlimmeres. Er hat dann mit ſeiner jungen Frau meiſtens in Paris oder in Bädern gelebt und neuerdings ſich von derſelben getrennt. Er ſogut wie die Har⸗ teneck ſind katholiſch. 1
„Aus dieſem Grunde blieben auch Freiherr Alfred und ſeine Frau zuſammen,“ erzählte Brunnow weiter,„und wie ich glaube, nur aus die⸗ ſem Grunde. Aeußerlich trafen damals für ſie wieder einige kleine Glücks⸗ fälle zuſammen. Die Schulden des Alten wurden wiederum einmal regu⸗ lirt, er machte auch eine kleine Erbſchaft; die alte Tante, der er vordem ſeine Frau entführt, ſtarb, nachdem ſie ſich auf dem Todbette noch der Nichte verſöhnt bekannt, und hinterließ dieſer ein kleines Kapital, das ſie trotz aller Armuth nach und nach zuſammengegeizt. Endlich zog damals — immer 1817, meine Herren— die Stiefmutter Hartenecks zu ihm, blieb in der Familie und bezahlte ein anſtändiges Koſtgeld. Aber all' dieſe kleinen Summen waren für den Oberſten nur Tropfen auf den heißen Stein, die Erbſchaft ſeiner Frau bekam er nicht einmal in die Hände. Das Verhältniß der Gatten wurde, beſonders ſeit die Stief⸗ mutter da war und die Frau gegen den Mann in Schutz nahm, immer friedloſer und widerwärtiger— der Frau konnte man die Abneigung nicht wohl verdenken, der Gatte verſank ſo zu ſagen von Tag zu Tage,— und beſonders ſeitdem anno 1818 das dritte Kind geboren wurde, war aller Frieden und alle Ruhe zum Kukuk. Das Kind wurde alſo Luna getauft— ich meine mich zu erinnern, weil der Name in der Familie der Grafen Orlandi ein gebräuchlicher geweſen ſein ſoll; der Oberſt erklärte ungenirt, mit äußerſter Rohheit oder grauſamſtem Spott: dies Kind gehe ihn ſchwerlich etwas an, es ſei entſchieden ein überirdiſch Geſchöpf, ſeine Frau lebe ſtets in fremden, höheren Regionen, und es ſei ſehr wohl mög⸗ lich, daß als eigentlicher Vater der Kleinen der Mond hätte in's Kir⸗ chenbuch geſchrieben werden müſſen. Darum heiße ſie mit vollem Recht Luna.—


