Von Edmund Hoefer. 7
hören wollte, konnte ſonſt wenigſtens dieſem Willen im Ueberfluß genügt ſehen.“ Und nachdem er es ſich mit einer neuen Cigarre und einem vollen Glaſe in ſeiner Ecke ganz behaglich gemacht, fing er ohne weitere Vor⸗ rede ſeinen Bericht an.
„Die Harteneck von Oie— das iſt ihr Vatersname und der liebe Herr Julius bei der dritten Schwadron ihr leiblicher Bruder— ſind, wie ihr vielleicht wißt, eins unſrer älteſten Adelsgeſchlechter, ſtets in bedeuten⸗ den Stellungen und immer in der Nähe unſrer Regierenden geweſen. Der Großvater der Madonna Luna war langjähriger Generaladjutant und der größte Liebling unſres Hochſeligen; ihr Vater, Freiherr Alfred, wurde mit unſrem jetzigen Herrn zuſammen erzogen, blieb ſtets bei ihm und machte alle Suiten und Fahrten getreulich mit, die der Jugend des Alten nach⸗ geſagt werden. Ihr Onkel, der Kommandeur der Brigade in N., gilt unter uns für den beſten Reiterführer der Armee. Doch von dem habe ich nicht zu reden, ſondern von ihrem Vater.
„Er war von Jugend auf ein Tollkopf erſten Ranges, ein bildſchö⸗ ner Menſch, ein fideler Geſell, ein trefflicher Soldat, der, obgleich er's damals nicht nöthig gehabt, den Dienſt von der Pike auf übte und ken⸗ nen lernte. Nach alle dieſem wird es euch erklärlich ſein, daß er eine brillante Carriere machte und, als er den damaligen Erbprinzen 1811 auf einer Reiſe nach Italien begleitete, in ſeinem 26. oder 27. Jahr ſchon Kammerherr, Major, Adjutant und Gott weiß was noch alles war. Auf dieſer Reiſe ereignete ſich manches— Prägnante. Erſtens ſollen die bei⸗ den Reiſenden— ich ſage das natürlich im Vertrauen auf Ihre Discre⸗ tion— ein wenig ſtark geſpielt haben, der Diener noch etwas ſtärker als ſein Herr, ſo daß ſie ganz erkleckliche Zuſchüſſe zu den beſtimmten Reiſe⸗ koſten gebrauchten. Zweitens verliebte Harteneck ſich in Piſa, wo der Erbprinz einige Monate lang krank lag, in eine Gräfin Orlandi, ein blutjunges, ſehr ſchönes Mädchen aus einer ſehr alten und ſehr armen dort einheimiſchen Familie; entführte ſie drittens und heirathete ſie, indem er ſeinen Prinzen ganz gemüthlich in Stich ließ. Man ſoll damals ſogar davon gemunkelt haben, daß der Prinz ſich für die Dame nicht weniger lebhaft intereſſirt habe als ſein Adjutant, und daß ihn der Streich deſſel⸗ ben daher noch mehr verdroß. Viertens verlor Harteneck darüber wie F greiflich ſeinen Adjutantenpoſten, wurde in die Armee verſetzt und 12. dem Contingent zugetheilt, das wir nach Rußland ſchicker


