Jahrgang 
1 (1861)
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Von F. W. Hackländer. 17 die Hand vor die Augen, und ſprach nach einem tiefen, erleichternden Athem⸗ zuge:„Gott im Himmel, ich habe nicht verdient, ſo mit einemmale aus der Hölle in das Paradies einzutreten,— ſo glücklich zu werden, wie mich dieſe wenigen Worte machen!— Iſt es denn möglich?“— Er konnte ſich nicht enthalten, die Unterſchrift des Briefes mehrmals an ſeine Lippen zu drücken,

ehe er ihn nochmals überlas, und dann noch einmal— und dann zum drittenmal mit lauter Stimme: „Mein lieber Bruder!— Papa ſagt mir ſoeben, Du würdeſt uns

einige Tage beſuchen, und zwar, da Du keinen Urlaub nach der Reſidenz haſt, im ſtrengſten Incognito. Ich kann Dir mit Worten nicht ausdrücken, wie glücklich es mich macht, mit Dir über manches, was mich recht nahe angeht und mich ernſtlich beſchäftigt, zu ſprechen. Komme ſobald Du nur kannſt. Ich habe ſchon zu Bekannten, die unſer Haus häufig beſuchen, und die Dich alſo jedenfalls ſehen werden, geſagt, daß wir den Vetter Ferdinand zum Beſuch erwarteten. Laſſe denn nicht zu lange warten. Deine treue Schweſter, Eliſabeth.“

Als er ſo geleſen, ſteckte er den Brief mit unruhigen Fingern wieder in die Bruſttaſche, und konnte ſich darauf unmöglich enthalten, dieſem ſchroffen Uebergange von Leid zu Freude durch einen lauten Ruf Luft zu machen, der übrigens wohl zu der Jagd⸗Juppe paßte, in welcher er ſein Glück gefunden. Auch nahm er jetzt den Hut mit dem Gemsbart und der Spielhahnfeder von dem Rehgewicht herunter, drückte ihn auf den Kopf etwas ſcharf nach der rechten Seite, nachdem er noch einmal mit der Hand durch ſein Haar gefahren war, das ſich von der Feuchtigkeit ganz zuſammen gerollt hatte, und verließ nun mit leichtem Schritt, glänzenden Augen und freudig ſchla⸗ gendem Herzen das Zimmer. Draußen ſchloſſen ſich die Hunde an ihn an, welche bei dem bekannten Anzuge an eine Jagdpartie glauben mochten, und da er in ſeiner freudigen Aufregung luſtig mit den Fingern ſchnalzte, ſo folgten ſie ihm die breiten Treppen hinauf bis vor das Balkonzimmer, wo ſte ſich in reſpectvoller Entfernung vor der Thüre niederkauerten.

Er trat allein in das weite Gemach mit den breiten Glasthüren, welche zur Terraſſe führten, von wo man mit einem Blicke die wunderbar ſchöne Landſchaft überſah, die hier in einem weiten Halbkreis vor dem Beſchauer lag.— Der junge Mann trat raſch ein, ohne zu überlegen, welches Wort er zuerſt an das geliebte Mädchen richten ſollte, es mußte das von ihrem Blicke, von ihrem Gruß abhängen. Am liebſten wäre er vor ihr niederge⸗

Hausblätter. 1861. I. Bd. 2

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