Briefe ꝛc.
Nr. 1. 1 1 Aus dem Mannheimer Taſchenbuch für Theater.
Vom 11. October 1792. Mit größerem Glücke trat Dlle. Jagemann, die Tochter des Herzogl. Weimariſchen Rathes und Biblio⸗ ¹ thekars, Herrn Jagemann, auf. Sie iſt eine Schülerin von unſerer Mad.
Beck, und vereint mit einer niedlichen Geſtalt das ausgezeichnetſte Talent. Sie ſpielte den 7. October den Oberon mit glänzendem Erfolge. Manche hat da geendet, wo Dlle. Jagemann anfing— möge der Genius der Kunſt ſie ſtets umſchweben und in ihrer Seele die raſtloſe Thätigkeit, immer voll⸗ kommener zu werden, erhalten, und ſie vor dem ſchädlichen Stolze bewahren, welcher Anfänger ſo oft in ihrer Laufbahn aufhält! Der Stolz, welcher im richtigen Gefühle ſeines eigenen Werthes beſteht, wird Dlle. Jagemann
in ihren Fortſchritten nie hindern.
Nr. 2. Carl Beck an Dalberg.
Ew. Excellenz. Die Bedingungen in Anſehung der j. Jagemann ſind ſo edel und an⸗ ſtändig, daß die Klugheit mich auffordert, ihr Hierbleiben zu befördern. Gerne entſagt meine Frau der Belohnung von Seiten der Herzogin, mit Vergnügen übernimmt ſie die fernere Ausbildung dieſes jungen Mädchens. Ich werde ſuchen, die Einwilligung der Herzogin zu erhalten, und der Vater wird auch hoffentlich die Summe ihres jährlichen Gehalts nicht zu gering finden, da er der Koſten und der Verbindlichkeit in Betreff des Unterrichts überhoben iſt, ſowohl bis hieher— als für die Folge, und nach 2 Jahren eine Virtuoſin vom erſten Range in ſeiner Tochter finden wird. Ich werde ihm alles dies vorſtellen, und nach ſeiner und der Herzogin Antworten die Angelegenheit vollends zu Stande bringen. Es bleibt alſo bei der gewählten Rolle im Doktor und Apotheker? Ew. Excellenz Von Haus, gehorſamſter Diener den 10. October 1792. Beck.


