Jahrgang 
4 (1860)
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Sagen von der Werra. Von C. L. Wucke.

Berg hinunter, und als ich heim kam und das Stückchen meinem Herrn erzählte, meint' der, das verwundere ihn gar nicht, droben am alten Schloſſe ſei das gar vielen ſchon paſſirt.“

16. Von der Burg Krainberg.

Kaum zwei Stunden unterhalb Salzungen, hinter dem Orte Tiefen⸗ ort, ſetzt einer der intereſſanteſten weſtlichen Ausläufer des Thüringer Waldes ſeinen Fuß in das Werrathal, der Krainberg, deſſen Gipfel noch die Reſte einer wahrſcheinlich von den Frankenſteinern gegründeten Burg trägt und dem Wanderer eine weite und prächtige Fernſicht bietet. Die Sage berichtet, daß bei Erbauung der Burg ein lebendiges Kind in einer ſteinernen Wiege eingemauert wurde, um nach damaligem Aberglauben jene unüberwindlich zu machen. Auch will man oft ein klägliches Wimmern zwiſchen dem Ge⸗ mäuer vernommen haben.

Ebenſo wird erzählt, daß dort droben zuweilen ein mit Blumen ſpie⸗ lendes weißgekleidetes Kindlein geſehen worden ſei, welches plötzlich ver⸗ ſchwand, wenn man ihm nahte. Eine Frau, die ſich ihm leiſe ſo weit genähert, daß ſie nach demſelben ſchon griff, ſah ſtatt des Kindes auf einmal einen blauen Schmetterling, der dann himmelwärts ſchwebte. Seitdem jedoch bei einem theilweiſen Abbruch des Gemäuers ein kleiner ſteinerner Sarg mit einem Kindergerippe in demſelben ans Licht kam, ſoll man droben nichts mehr gehört und geſehen haben. Auch von einer ſteinernen Wiege, die unter den Burgtrümmern verborgen geweſen, wollen alte Landleute noch gehört haben.