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Das römiſch⸗germaniſche Muſeum in Mainz.
nicht unwichtige Sammlung auf. Dieſelbe zählt bis jetzt acht erzene Helme, drei Schilde aus Erz, fünfzehn Schwerter aus Erz, die intereſſanteſten Waffen und Grabhügel und die vollſtändige Ueberſicht der Waffen, des Schmuckes und der Geräthe merovingiſcher Zeit.
Der Vorſtand der Stadt Mainz, welcher ſchon vor mehreren Jahren mit großem Koſtenaufwande das Gebäude des ehemaligen churfürſtlichen Schloſſes der Art hatte herrichten laſſen, daß in deſſen oberen Räumen die große ſtädtiſche Bibliothek, das Münzkabinet, die Bildergallerie und die umfang⸗ reichen naturhiſtoriſchen Sammlungen aufgenommen werden konnten, hat nun auch, durchdrungen von der Wichtigkeit der archäologiſchen Sammlun⸗ gen des römiſch⸗germaniſchen Muſeums, beſchloſſen, die weiten unteren Räume dieſes geſchichtlich intereſſanten und ſchönen Schloſſes für die Aufnahme dieſer Denkmäler einrichten zu laſſen. So ſind denn dieſe höchſt merkwürdigen, archäologiſchen Sammlungen, jene wichtigen Urquellen für die Geſchichte Deutſchlands, bald geordnet und aufgeſtellt, dem größeren Publikum zu⸗ gängig gemacht worden.
So werthlos ſolche Sammlungen dem oberflächlichen Beſchauer erſchei⸗ nen mögen, und welch geringe Bedeutung ſein kurzſichtiger Verſtand auch darin erblicken wolle, der denkende Menſch, der für ſein Vaterland warm empfindende Deutſche wird doch nur mit Ehrfurcht und Staunen dieſe Räume betreten, denn er findet ſich mitten unter den uralten Denkmälern der Gottesverehrung, unter Grabſchriften zum Andenken von Eltern und Kindern und Verwandten, unter hiſtoriſchen und das Kriegsweſen der Römer betreffenden Denkmälern, unter Särgen, Grabſchriften zum Andenken für freigelaſſene Sklaven, Fragmenten von römiſchen Bildwerken und Archi⸗ tekturſtucken, Geräthen der Urbevölkerung Deutſchlands, vollſtändigen Grä⸗ berfunden aus germaniſcher, römiſcher und merovingiſcher Zeit ꝛc. ꝛc., und er wird dieſe reichhaltigen Sammlungen mit dem Gefuͤhle der Anerkennung und des Dankes fuͤr jene begeiſterten Männer verlaſſen, deren unermüdete Thätigkeit mit beſchränkten Mitteln einen ſolchen Reichthum zu ſammeln im Stande war.
Wie reich und groß auch bis jetzt ſchon dieſe Sammlungen ſind, ſo iſt eigentlich doch damit nur der Anfang gemacht zur Grundung eines allgemei⸗ nen, Deutſchlands würdigen, römiſch⸗germaniſchen Muſeums. Der Boden des Rheinthales, und insbeſondere jener der Stadt Mainz und ihrer Um⸗
gebung, iſt noch ſo reich an Ueberreſten der Vorzeit, daß überall, wo Nach⸗


