Jahrgang 
2 (1859)
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Von Friedrich Lampert. 159

tiefer, gar manche Helmzier oder Reiherfeder nickte auf den Tiſch herab, und ob nicht Graf Tilly ſelbſt ſeinen alten Ruhm an dieſem Abend verloren hat, möchte ſchon intereſſant zu wiſſen ſein.

Der geſchweifte Himmelsgaſt, der ſich auch aufgemacht hatte, das Münchner Feſt zu ſehen und durch die Gegenwart eines ſo außergewöhnli⸗ chen Fremdlings zu verherrlichen, war ſchon längſt zum zweitenmal am Horizont heraufgekommen, als der Ball nach und nach ein Ende fand und ſeine Haupttheilnehmer heimkehrten, um ſich im gewöhnlichen Leben wieder zurecht zu finden.

Auch die Feſtlichkeiten des Dienſtags eröffnete ein Zug, aber ein kleiner und ganz eigenthümlicher. Jene Landleute nämlich aus dem Iſar⸗ winkel von Lenzgries und Umgebung, welche im Zug der Landesvertheidiger von 1705 mitgewirkt und ſich der beſondern Aufmerkſamkeit und Fürſorge des Feſtcomitees zu erfreuen hatten, zogen in früher Morgenſtunde nach Sendling hinaus, um dort auf dem Kirchhofe, wo einſt ihre Altvordern für Fürſt und heimiſches Recht in den Opfertod gegangen waren, ein Todten⸗ und Gedächtnißamt zu feiern. Auch dabei erſchien der König, um in den Enkeln noch der Väter Treue zu ehren.

Um 11 Uhr Mittags fand im großen Rathhausſaale in Gegenwart der Miniſter, des Erzbiſchofs und des Magiſtrats, ſowie vieler mit Karten begünſtigter Perſonen, eine Feſtverſammlung ſtatt. Da ich nicht das Glück hatte, zu einer dieſer Kategorien zu gehören, ſo kann ich auch nicht nach eigenem Sehen und Hören über dieſe Verſammlung berichten, ſondern nur nach dem Programm anführen, daß Profeſſor Löher eine Rede über die kulturgeſchichtliche Bedeutung unſerer Städte, und Reichsarchivſecretär Muf⸗ fot eine über München bis zum Anfange des fünfzehnten Jahrhunderts gehal⸗ ten hat, die beide ſehr gehaltvoll geweſen ſein ſollen und gewiß bald im Druck erſcheinen werden.

Den ganzen Glanz und das hiſtoriſche Gepräge des Montags nahm noch einmal das Feſtbankett auf, das für die Zugtheilnehmer am Diens⸗ tag Abend im Odeonſaale veranſtaltet war. Das funfzehnte Jahrhundert machte den Wirth, und ſeine Pagen und Ceremoniarien geleiteten die andern Jahrhunderte an ihre Plätze. Schenkknechte reichten den Willkommtrunk, die Sprecher boten Gruß und Gegengruß, Speiſeknechte trugen die Speiſen auf, nachdem der Truchſeß ſie gekoſtet; Sängerlied, Mummenſchanz und Spiel

wechſelten mit Reden und Toaſten; ein Glücksſpiel bot von jedem Jahr