Von Friedrich Lampert. 157
Blumenkränzen und Gewinden umgaben, und in langem Zuge folgten die fünf Sangvereine Münchens mit ihren Banner⸗ und Pokalträgern, die Vertreter der Münchner Künſtlerſchaft mit der Künſtlerfahne an der Spitze, die Hauptſchützengeſellſchaft, und endlich die ſämmtlichen Mitglieder des Jubiläumsvereins. Eine Kavallerieabtheilung ſchloß auch hier endlich den ganzen Zug.
Sie war vorüber die glänzende, zauberiſche Bilderreihe, wie ein Traum vorüber, deſſen Bereitung ſo viel Zeit, Mühe, Kunſt und Geld erfordert hatte. Aber daß in dieſem fluchtig Vorübergeſchwundenen doch ein großes Bleibendes lag, das fühlte man in dem Bedauern, daß es ſo ſchnell gekom⸗ men und gegangen, in der Sehnſucht, es noch länger und immer wieder zu ſehen.
Es war darum gut, daß man wenigſtens noch einen Nachhall und Nachklang des Zuges in dem Coſtümball hatte, der noch am Abend des Montags im Odeonsſaale ſtattfand. Man konnte da wenigſtens alle Coſtüme noch einmal recht in der Nähe beſchauen und aufs neue bewundern, welche Kraft der Geſtaltung, welche Kunſt und Poeſie in ihnen zu Tage getreten war. Aber wundern mußte man ſich auch über die Ausdauer der Leute, die nun den ganzen langen Tag auf den Beinen und noch dazu mit Ruſtungen, Waffen und dergleichen beladen geweſen waren, und jetzt noch ſo friſch und munter tanzten, als verſtünde ſich das ſo von ſelber. Nur die ſchönen Be⸗ gleiterinnen der Marianiſchen Säule wollten anfangs, als der Hof lange ausblieb, vor Müdigkeit ungeduldig werden, aber wie ſie nur erſt einmal im Reigen hinſchwebten, da hielten auch ſie es bis zum frühen Morgen aus.
Ich kam zeitig in den, im Einklang mit dem Feſtgedanken dekorirten Saal, und doch fand ich ihn ſchon ziemlich gefüllt. Die verſchiedenen zier⸗ lichen Pagen hielten die Eſtrade beſetzt; ehrbare Rathsherren und Bürger ſchritten auf und ab; das Fähnlein der ſtreitbaren Bäcker hatte ſich am Thronſeſſel poſtirt; die Munichia mit ihren Jungfrauen war erſchienen; auch ein Herzog nach dem andern fand ſich ein und endlich war die Vergan⸗ genheit ſo ziemlich bei einander und wartete der gekrönten Gegenwart.
Trabanten aus dem ſechzehnten Jahrhundert bildeten, die Hellebarde
zum Salutiren geſtellt, Spaliere; von ſchmetternden Fanfaren und dem Hoch der Verſammlung begrüßt, trat der Hof in den Saal, der König in großer Uniform, die Königin mit prachtvollem Brillantdiadem, König Otto von Griechenland in glänzendem Nationalcoſtüm. Eine kurze Anrede des


