Jahrgang 
2 (1859)
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Von Friedrich Lampert. 155

folgen. Auch die wirklichen, vor Belgrad und Wien erbeuteten türkiſchen Tro⸗ phäen, ein Zelt, Kanonen und dergl. werden im Zuge mitgeführt und ſo auch dieſem höchſt pikante Momente geſichert, wie er auch an Luxus der Aus⸗ ſtattung dem vorigen in nichts nachſteht.

Sein Siegeslauf im Türkenkriege war des damals zwanzigjährigen Baiernfürſten ruhmreichſte Zeit; aber auch da, als er Reichsfeind war und im Bunde mit dem Ausland gegen Deutſchland kämpfen mußte, hat Mar Emmanuel ſein tapferes Schwert noch gut zu führen gewußt, und aus dieſer für ihn ſo unheilvollen Zeit, als nach der Höchſtädter Schlacht ſein Land und ſeine Hauptſtadt ganz in Feindeshänden waren, und die wenigen Ge⸗ treuen, die für ihn ſich erhoben hatten, den Opfertod ſtarben, tritt uns noch ein, und zwar ein ergreifendes Bild entgegen.

Geführt von dem Studenten Plinganſer und deſſen Gefährten Oertel und Meindl und ihren eigenen Führern, dem Wirth von Bayerbronn und dem Schmied Balthes von Kochel, ziehen jene Getreuen, die tapfern Ober⸗ länder Bauern heran, bewaffnet mit Karſt, Flegel und Art, einfach gekleidet in die Tracht des Gebirges, die langen grünen Röcke oder die kurzen Alpen⸗ joppen oder die ſcharlachrothen indaie, kräftige, markige, rieſige Geſtal⸗ ten, mit ihnen der Hauptmann Gonthier, der in den Weihnachtstagen 1705

durch die Bauern das Iſarthor Fher ließ und dann mit ihnen auf den

Anhöhen des Sendlinger Kirchhofes erſchlagen wurde, der Hauptmann Maier vom Regiment Kurprinz, der Oberlieutenant Abel vom Regiment Lützelberg, der Obercommiſſair Fuchs, und zuletzt ihre Verbündeten in der Stadt, der Weinwirth Jäger im Thal, der Eiſenhändler Ser iſer, der Weiß⸗ 7

bierbrauer Kidler und die 40 Zimmerleute aus der Au. ieſe Oberländer

erregen ein beſonderes Intereſſe. Alle Perſonen des ganzen Zuges waren ein

treu hiſtoriſches Bild, allein in dieſen Bauern fließt das wir kliche Blut derer,

ſte darſtellen, ſie ſind die direkten Abkömmlinge jener Landesvertheid ze von 1705, die eigens aus ihrer Bergheimat auf einem ſelbſterbauten Floß d Iſar herabgefahren ſind, um in dem großen Feſtzuge das Andenken ihrer ane r und ihrer Heldenthat zu erneuern.

Die Kaiſerkrone, die Ferdinand Maria ausgeſchlagen hatte, kam doch noch in ſein Haus, auf ſeines Enkels, Karl Albrecht, Haupt; allein es war gerade kein ruhmvolles Kaiſerthum und darum auch im Zuge nicht vertreten. Dafuüͤr ward die kurfürſtliche Standarte der Gruppe des milden Maximi⸗ milian Joſeph II., als der letzten vorgetragen. Nur aus Profeſſoren